Oldenburg - Eine Frau mit ihrem Baby lauscht auf das beruhigende Plätschern des Brunnens inmitten der Pflanzenvielfalt von Mittelmeer, Kaukasus und Kanaren. Nebenan, am Sukkulentenhaus ist eine Gruppe Fünftklässler des Gymnasiums Rhauderfehn mit einer Frage zu „lebenden Steinen“ auf ihrer „Botanischer-Garten-Rallye“ beschäftigt, danach geht’s zu den Küchenkräutern, zu Koriander und Kornblume und Schwarzkümmel und Hirse, an Schuppenwurz und Muschelblümchen, zum Seerosenbecken, zum Mammutbaum und zu den Vögeln am Tümpel im Wäldchen.
Überall sind Mitarbeiter des „Gartens“ damit beschäftigt, den Beeten den letzten Schliff zu geben. Denn der Botanische Garten feiert ab diesem Dienstag – unter anderem mit zahlreichen Vorträgen und zwei Ausstellungen (siehe Infokasten) – den 150. Geburtstag seines Gründers Wilhelm Meyer.
Der Gründer wurde am 24. August 1867 geboren. Der Botaniker Prof. Dr. Peter Janiesch, langjähriger Leiter des Gartens, der für diesen Dienstag zu einem Vortrag über den Gründer einlädt, sagt: „Meyers unermüdlichem und weitblickenden Einsatz ist es zu verdanken, dass der Garten auch in schwierigen Zeiten erhalten blieb.“
Als Zeichenlehrer am Lehrerseminar hatte Meyer nicht ganz freiwillig 1913 den Seminargarten am Haarenesch übernommen und ihn zu einem Botanischen Garten weiterentwickelt. Botanik war bis dahin nicht gerade seine Passion. Als Zeichenlehrer hatte er sich vor allem mit Tieren beschäftigt und damit einen Namen gemacht. In seinen Erinnerungen schrieb er später über seine Sorgen vor der Gründung: „Ich habe mich vor der Botanik gefürchtet und habe nie gelernt, eine Pflanze zu bestimmen.“
In kürzester Zeit arbeitete er sich aber in seine neue Aufgabe ein und wurde innerhalb von drei Jahren zu einem der größten Botanik-Experten des Oldenburger Landes. Meyer stand im Austausch mit Botanikern in der ganzen Welt – zum Wohle des „Botanischen“. Heute ist der Garten ein Schaufenster der Universität, in dem viele zehntausend Besucher pro Jahr die Schönheit von heimischen und besonders auch fremdländischen Pflanzen erleben. Gezeigt werden die Eigenarten, die Vielfalt und der Nutzen auch weniger spektakulärer Pflanzen und ihrer Vegetationsgemeinschaften und die Bedeutung der Evolution. Neben dem öffentlichen Schaugarten gibt es den Bereich für Forschung, Anzucht und für die Ausbildung von Lehrlingen am Küpkersweg. Traditionell werden einige interessante Tierarten, besonders Vögel, gezeigt (die Eulen-Volieren an der Grenze zur PSV-Tennisanlage entstehen gerade neu). Außerdem gehört eine „Grüne Schule“ dazu. 14 Orte des „Gartens“ widmen sich nun dem Gründer: etwa mit einer Wanderausstellung, seinem als genial geltenden Pflanzenbestimmungsbuch, den Anfängen und der Entwicklung der Anlage, aber auch den heimischen Schlangen, die Meyer im Garten hielt.
