Jever - Berlin, Ende der 1920er Jahre: Für tausende vor allem junge Menschen sind das triste und ungemütliche Zeiten. Viele sind arbeits- und obdachlos, hungern und frieren und schlagen sich mit Gelegenheitsjobs, Prostitution und Gaunereien durchs Leben. Und sie rotten sich zu Banden zusammen, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Sie sind die, auf die der Glanz der „Goldenen Zwanziger“ nicht abstrahlt, die im Schatten stehen. Sie sind die im Dunkeln, die man nicht sieht. Oder die man nicht sehen will.
„Die im Dunkeln“ ist bereits die zehnte Musicalproduktion des Mariengymnasiums Jever, für die die rund 50 Akteure auf der Bühne und hinter den Kulissen des Theaters am Dannhalm am Premierenwochenende tosenden Applaus erhalten haben.
Was unter Regie von Jens Marnowsky sowie der musikalischen Leitung von Klaus Wagner und der Choreographie von Meic Stephan entstand, ist Musiktheater auf sehr hohem Niveau. Und nötigt noch mehr Respekt und Applaus ab, wenn man weiß, dass 17 der Beteiligten gleichzeitig zu den Musical-Proben auch im Abiturstress steckten. „Alle haben bestanden“, erklärte Schulleiter Frank Timmermann dem Publikum im nahezu voll besetzten Theater. Die jungen Schauspieler agierten beeindruckend professionell, tanzten, liebten, schlugen, hurten und gaunerten sich durch die Szenen, als würden sie nichts anderes machen.
Fast drei Stunden lang großartige Dialoge, Rollen- und Kostümwechsel, eingebettet in stilsichere Musik von Jek Marwa und Liedern von Friedrich Hollaender.
Das Musiktheater, basierend auf einem Lied aus Berthold Brechts Dreigroschenoper („Und man siehet die im Lichte. Die im Dunklen sieht man nicht.“) und dem Roman „Blutsbrüder“ von Ernst Haffner, greift das Thema der sozialen Ungerechtigkeit auf und ist damit frappierend aktuell.
