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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Im Schatten des allmächtigen Bach

03.12.2007

OLDENBURG Wenn ein Weihnachtsoratorium mit einer ruhig auf- und absteigenden Linie der Streicher beginnt – dann kann es sich nicht um die berühmteste aller musikalischen Weihnachts-Lobpreisungen von Johann Sebastian Bach handeln. Carl Heinrich Graun (1703–1759) lässt wenige Takte später auch Trompeten schmettern, Pauken dröhnen und den Chor frohlocken. Aber seine Schilderung des höchsten christlichen Festes in der fast vollbesetzten Oldenburger Garnisonkirche schickt die Jauchzer nicht in atemraubende Höhen, sondern wendet viele Gefühle nach innen.

Im Gegensatz zu Bachs sechs Kantaten ist Grauns Weihnachtsmusik ein echtes Oratorium. Der für die Opernaufführungen am Hofe Friedrichs des Großen zuständige Komponist weiß um theatralische Effekte, aber auch um glaubwürdige Innerlichkeit. So nutzt das Orchester die Bläserfarben durch Trompeten, Hörner, Oboen und Flöten zu den Streichern.

Zu den Stärken der Musik zählen die innigen Melodien. Der eingeschobene Motettensatz „Ehre sei Gott“ bleibt in seinem gebremsten Jubel sehr erdennah: Grauns Musik ist bodenständig und volkstümlich. Die Schwächen ergeben sich aus der Zeit. Die Empfindsamkeit zog erst vorsichtig ein. In dieser Umbruchszeit verwirft der Komponist weder entschlossen die ausgedienten Formen noch traut er sich ernsthaft an die neuen Ausdrucksmöglichkeiten heran.

Gebhard von Hirschhausen, Kantor in Brake, kehrt die Stärken dieser Verkündigungsmusik heraus. Zur Verfügung hat er den „Chor für geistliche Musik Oldenburg“. Trotz nur knapp 20 Männerstimmen gegen fast 50 Sängerinnen bewahrt er den klangschön, nie verwaschen singenden Chor weitgehend vor Sopranlastigkeit. Zu den sieben Strophen des Chorals „Wie soll ich dich empfangen“ hat er einen originellen Einfall: Er bezieht die Zuhörer zweimal in den Gesang ein.

Das Solistenquartett ergibt eine aparte Kombination. Ein dunkler Sopran (Elisabeth von Hirschhausen) und ein heller Alt (Sylvia Mödden) mischen sich ebenso gut wie ein gedeckterer Tenor (Jörg Heinemann) und ein zum Bariton reichender Bass (Ralf Mühlbrandt). Das Kammerorchester St. Anna aus Bardenfleth (Kreis Wesermarsch) ist ein intensiv geschulter und kultivierter Klangkörper, leider mit Ventil- statt Naturhörnern. Eine derart engagierte Interpretation sichert Grauns „Weihnachtsoratorium“ einen achtbaren Rang im Schatten des allmächtigen Bach.

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