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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere In Oldenburg: So macht Diktatur Spaß

25.10.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-21T18:45:11Z 280 158

Premiere In Oldenburg:
So macht Diktatur Spaß

Oldenburg Der Führer ist klein. Er sieht knittrig aus und lebt in der Klapse. Immer wieder wirft Adolf Hitler beim Schwadronieren seine langen, dünnen Haare zurück. Und immer wieder ist es der Schauspieler Pavel Möller-Lück, dessen Hand in der wohl einen Meter großen Puppe künstlich für die Bewegung sorgt, die man nicht als künstlich wahrnimmt – was auch schon eine Kunst ist. Möller-Lück knödelt Hitlers R, dass es nur so rollt. Bis ins Publikum, das kugelt sich vor Lachen. So macht Diktatur Spaß.

Markus Wulf und Möller-Lück haben für das Oldenburger Theater Laboratorium das fast dreistündige Stück „Der große Abend der kleinen Diktatoren“ geschaffen. Sie haben die Übeltäter nicht verniedlicht. Sicher, die abgelebten Stalin, Ceaușsescu, Pol Pot, Mao, Cäsar und Co. stecken in der Irrenanstalt. Aber sie sind nicht blöd.

Schon lässt eine resolute Frau Dr. Schlüter (Anja Hursie) von einigen der Mini-Diktatoren Türme aus Klötzchen bauen. Mal sehen, wer was wie schnell kann. Doch Napoleon will lieber flirten. Der kommunismusgraue Ceaușsescu erstmal seine Erschießung rückgängig quatschen. Cäsar lässt sich nur unter Pauken und Trompeten blicken.

Erklärt wird uns dieses verrückte Diktatoren-Zwischenlager auf geschickte Weise mit der Einführung eines neuen Praktikanten ins Institut (Jonathan Went). Der ist baff, wenn er hört, dass Napoleon nachts randalierte oder Cäsar imperatorisch auf dem obersten Stockbett gehockt haben soll. Am meisten erfährt der Neue von einer Art Institutshausmeister und Assistent (Möller-Lück), der die Tyrannen in Wägelchen schiebt. Die Dinger ähneln Rollatoren und sind so raffiniert wie niedlich. Sie passen auf eine Bühne, die gediegen wirkt: ein Bohnerwachsflur mit vollverholzten Wänden, lauschiger Beleuchtung und verhängten Türöffnungen. Dahinter hausen Diktatoren.

In der Psychiatrie, erzählt man gern, sollte der Chef normal sein. Aber das Stück hat selbst für Frau Dr. Schlüter, die doch auf Lösungen hofft, Probleme parat. Ihre Beziehungen funktionieren nicht, und sie denkt nicht drüber nach, dass sie über Maschinen und eine anonyme Stimme kontrolliert und kommandiert wird – auch so eine Diktatur.

Wo es karten gibt

Eintrittskarten für das neue Stück im Oldenburger Theater Laboratorium (Kleine Straße 8) gibt es unter Telefon   0441/164 64.

Alle NWZ -Kritiken finden Sie unter:

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Wie wird man überhaupt Diktator? Assistent und Praktikant holen einen Holzkasten und spielen mit Holzfigürchen: Klack steht ein Männchen auf dem Brett. Plumps werden Theorien entworfen, Abläufe geprobt, Typen in die Tonne gekloppt.

Und was kommt am Ende ’raus? Dass nichts rauskommt. Man kann eben nicht in Köpfe gucken. Irgendwie sind Diktatoren auch nur Menschen. Und den Hitler wütend zu würgen, bringt auch nichts. Der Kerl ist ja schon tot.

Das Wunderbare dieses Abends sind die knackigen Charaktere und die liebevolle Raffinesse. Eine Aufführung, die wieder mächtig mit einer gelungenen Mischung aus Puppentheater und Schauspiel aufwartet. Sie streift das Absurde, badet meist in Satire und garantiert Unterhaltung.