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NWZonline.de Nachrichten Kultur

13. Internationale Tanztage in Oldenburg: Immer an der Wand lang

08.05.2017

Oldenburg Die Höhe der Sprünge ist einer der Gradmesser für die Kunst des Balletts. Aber das ist Geschichte, spätestens seit Gründung der Compagnie Retouramont. Zwar katapultieren sich zwei Tänzerinnen des französischen Ensembles ebenso kraftvoll in die Luft, aber nicht hoch, sondern quer – gehalten von Seilen und gefeiert von Hunderten Menschen, die sich in der Nacht zum Sonnabend vor dem Oldenburgischen Staatstheater eingefunden hatten.

Furios war der Auftakt der Internationalen Tanztage schon oft, aber noch nie in der langen Festivalgeschichte wurde der federnde Bühnenboden von einer harten Turmfassade ersetzt. Tanz in der Vertikalen: Aufsehenerregender lässt sich ein Festival kaum starten, das ohnehin erstaunlich ist. Die fast 10 000 Eintrittskarten, hatte Generalintendant Christian Firmbach zuvor im Großen Haus verkündet, sind zu 98 Prozent schon ausverkauft.

Fassadentanz beim Staatstheater Bild: Torsten von Reeken

Barfuß, ausgerüstet mit Kletterseilen, die ein Vielfaches ihres Körpergewichtes halten könnten, und einem eigenen Sicherheitsmanager, hangeln sich die beiden Tänzerinnen die Außenfassade des neuen Turms hinauf, in dem sich ein Treppenhaus verbirgt. Draußen herrschen knapp über 8 Grad Celsius, eine dicht gedrängte Menschenmenge rechts und links der Straße reckt die Köpfe, um das von Scheinwerfern angestrahlte Tanzspektakel zu verfolgen, dazwischen gnadenlos der Straßenverkehr.

Für ihr ungewöhnliches Duett nutzen die Französinnen den Schwung, den sie mithilfe des Seils und ihrer Muskelkraft erzeugen. Sie kraxeln behände den Turm hinauf, lassen sich fallen, stürmen waagerecht von links nach rechts oder schwingen bis weit hinüber zum verglasten Foyer. Am Ende tanzen sie in einem Netz mehrere Meter über dem Boden, hinter ihnen ihre riesigen Schatten an der Wand. Ein atemberaubendes Spiel mit Architektur und ein faszinierendes Bild, wie es in Oldenburg wohl so schnell nicht wieder zu sehen sein wird.

Dem tosenden Applaus nach zu urteilen, hatten die Tanzfans schon fast fünf Stunden zuvor im Großen Haus geglaubt, den Höhepunkt des Abends erlebt zu haben. Mit ihren mehr als 20 Tänzern und Tänzerinnen erschafft das Ballet du Grand Théâtre de Genève unglaublich ästhetische Körperbilder – in „Lux“, dem ersten Teil, zum „Requiem“ von Gabriel Fauré. Es ist eine Art Liebeserklärung an den Tod, dessen Schönheit größer erscheint als sein Schrecken. Die Tänzer streben diesmal in Richtung Erde, der sie in der Choreografie des Schweizers Ken Ossola schon sehr nahe sind: Die hautengen, glitzernden Kostüme deuten Skelette an.

Mit zum Teil elektronisch verfremdeter Musik von Händel macht der Argentinier Andonis Foniadakis mit seiner Choreografie „Glory“ in der zweiten Hälfte weiter – lustvoll und energiegeladen statt elegisch, noch kraftvoller, aber mit einigen Längen. Wer sich noch nicht satt gesehen hatte, konnte anschließend das Kontrastprogramm in der Exerzierhalle erleben: mit der spanischen Compagnie Cia de Danza Sol Picó und der Deutschlandpremiere von „We Women“.

Die Tänzerin und Choreografin Sol Picó tritt mit drei Kolleginnen auf – und was für welchen! Starke Frauen im wörtlichen und im besten Sinne des Wortes, sie stammen ursprünglich aus Indien, Afrika und Taiwan und erzählen in einer mitunter rabiaten, verstörenden Tanzperformance von Alltag, Gewalt und Mühsal – auf Spanisch und anfangs auf High Heels.

Klingt schräger, als es ist, denn die Texte liegen in deutscher Übersetzung aus. Und wenn das Temperament den drei begleitenden Musikerinnen in die Finger fährt, ist kein Halten mehr. Wer hätte das auch verpassen wollen: einen Flamenco auf roten Spitzenschuhen! Fast so schön wie die Tänzerinnen zwischen Himmel und Erde.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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