Es ist Dienstagmorgen. Die Kinder einer katholischen Grundschule feiern Gottesdienst. Im Altarraum leuchtet ein Bild. „Was seht ihr?“ frage ich. „Da sind Bäume und Büsche und Gras und Himmel und ein Weg.“ Neugierig wie ich bin, möchte ich natürlich wissen, wohin dieser Weg denn wohl führt. Wie ein Pfeil schießt Katharinas Finger in die Luft. „Zu Gott natürlich!“ ruft sie. Einige Kinder nicken zustimmend.
Ach ja, wir sind in der Kirche, da muss das Bild wohl was mit Gott zu tun haben, denke ich enttäuscht. „Wie kommt ihr denn darauf?“ frage ich. „Weil es so ein schöner Wald ist und so ein schöner Weg“, sagt ein Junge. Was nun folgt ist eine Entdeckungsreise. Die Kinder sprechen davon, dass man die Welt mit weit offenen Augen ansehen muss. Dann kann man rechts und links vom Weg Tiere und Pflanzen entdecken, die uns zeigen, wie wunderbar Gott diese Welt geschaffen hat. Und man ist auf dem Weg ja auch nicht allein. Manchmal geht man in Begleitung von Mama oder Papa und ein anderes Mal mit Freunden. Sie sorgen dafür, dass mich nicht der Mut verlässt. Und wenn ich mal keine Lust habe zu gehen, dann kommt mir vielleicht jemand entgegen. Und natürlich ist Gott bei all diesen Erfahrungen dabei, weil er doch in jedem Menschen ist – in ihren Worten und Taten.
Ein kurzes Schweigen tritt ein. „Wenn das der Weg zu Gott ist, dann würde ich den gehen, so oft ich kann“, sagt ein Mädchen. „Und warum?“ frage ich. „Weil der Weg sonst verschwindet“ lautet die Antwort. Einige Kinder nicken wissend. „Und das möchtet ihr natürlich nicht“, frage ich leise. Kaum hörbar klingt mir ein „Nein“ entgegen.
Ganz still ist es geworden. Es scheint, als ob so mancher sich in Gedanken gerade auf den Weg macht. Ob sie sich den Weg wohl ganz zutrauen, allein oder in Begleitung, und ob sie tatsächlich Gott begegnen, bleibt offen. Als die Kinder schon längst wieder in der Schule sind, geht mir der Gedanke nach: Wege verschwinden, wenn wir sie nicht gehen.
Ich lade Sie ein, das Bild vom Wald und vom Weg auf Ihr Leben zu übertragen und dabei Fähigkeiten und Begabungen, Freund- und Partnerschaften zu entdecken. Und ich wünsche mir, dass sie dabei Gottes wohltuende Anwesenheit erfahren.
