IMMER - Am 29. Mai 1956 haben sich Annegret und Hans Witte das Jawort gegeben. Heute feiern sie – natürlich in „ihrer“ Gaststätte.
Von markus Minten
IMMER - Ginge es nach Hans Witte, wären die folgenden 139 Zeilen leer. Oder zumindest fast leer. Eine Bitte hatte der bescheidene Ex-Gastwirt aus Immer, der heute mit seiner Frau Annegret und rund 200 Gästen das Fest der goldenen Hochzeit begeht, dann doch an die Presse: „Mein besonderer Wunsch ist, dass unsere fünf aktiven Vereine unseres Doppeldorfes den Jugendlichen einen positiven Weg in die fruchtbare Zukunft aufzeigen und damit klarstellen, dass sich das Leben hier im schönen Immer und Bürstel auch weiterhin lohnt.“Da es aber auch an seinem Ehrentag nicht nur nach dem Wunsch des rüstigen 77-Jährigen geht, folgt nun doch ein wenig über das gemeinsame Leben des Gastwirtepaares: Das begann bereits in der Schule, wie sich Annegret Witte, geborene Schwarting erinnert. „Die ersten vier Schuljahre haben wir in Bürstel zusammen verbracht.“ Liebe sei das natürlich damals noch nicht gewesen, nur „Spielerei“. Doch obwohl Hans Johann Bernd Witte im Alter von zehn Jahren auf die Oberschule nach Delmenhorst wechselte und in den letzten Kriegsmonaten 1945 mit dem Volkssturm nach Schleswig-Holstein musste, verloren sich die beiden nie aus den Augen.
Hans Witte übernahm nach dem Krieg den schon damals traditionsreichen Gasthof in dritter Generation von seinem Vater Hinrich. Gegründet worden war die Gastronomie 1898 von Großvater Friedrich Witte. Ein Amtshauptmann habe dem Landwirt geraten, die Gastronomie zu gründen, erzählt Hans Witte über die Anfänge, als Bahnlinie und Bahnhof Immer „einen unwahrscheinlichen Ausflugsverkehr aus Bremen“ bescherten.
Gemeinsam mit seiner Frau Annegret, die ihre Jugendjahre auf dem elterlichen Hof in Thienfelde verbracht und ihre Kochkünste im Restaurant „Graf Anton Günter“ in Oldenburg erweitert hat, setzte Hans Witte sein Ziel um: „Ich wollte die elterliche Gaststätte zu einem funktionsfähigen Erwerbsbetrieb ausbauen.“ 1952 wurde die erste Kegelbahn gebaut, 1972 die zweite. Dazwischen, 1954, „habe ich es hingekriegt, die Kleinstturnhalle zu bauen. Bis dahin war Geräteturnen nur bei uns im Saal möglich.“
Damit diente Witte auch seiner zweiten Leidenschaft, dem Sport und dem Vereinsleben. Als Handballer, Leichtathlet und Geräteturner („Ich war der einzige im Dorf, der den Riesenschwung konnte“) war er im TSV Immer-Bürstel aktiv, der ihn für 60 Jahre Treue zum Ehrenmitglied ernannte. Im Schützenverein brachte er es zu Kinderkönigs- und Königswürden. Und dann sind da noch der Kegelverein, der Chor und der Ortsverein, in denen Witte aktiv war und zum Teil mit seiner Frau noch ist.
1991 war dann Schluss mit dem Wirteleben, das nur wenig Raum für Freizeit ließ. Urlaub gab es in den ersten Jahren überhaupt keinen. „Dann haben wir mit drei Tagen Wangerooge angefangen“, erinnert sich Annegret Witte. „Und dann wurden das immer zwei Tage mehr.“ „Nach 45 Jahren hinter der Theke in denen wir alles gemeinsam gemeistert haben“, verpachteten die Wittes ihre Gaststätte 1992 an Fritz Aulike, da die Kinder Marlies und Hergen „ihre eigenen Wege gingen“ und Apothekerin beziehungsweise Steuerberater wurden. „Sicher ist es mir anfangs schwer gefallen, den Betrieb in fremde Hände zu geben“, blickt der 77-Jährige zurück. Man habe aber einen guten Nachfolger gefunden.
Zudem blieb nun endlich Zeit für die gemeinsamen Hobbys. Neben der regen Teilnahme am Vereinsleben sind das Rad fahren, schwimmen, die gemeinsame Gartenarbeit und die beiden Enkel. Und dann sind da noch „sehr viele Bücher“, deutet Hans Witte zum Regal. „Die müssen alle gelesen werden.“
