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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Immer mit etwas Fracksausen

22.05.2013

Oldenburg /Berlin Der kleine, feine Unterschied zwischen einem Dirigenten und einem Oberbürgermeister liegt für Dieter Holzapfel auf der Hand: Wenn Ersterer den Einsatz gibt, muss das Orchester prompt folgen, in der Politik „ist das noch lange nicht der Fall“. Das Dirigieren ist längst mehr als nur ein Hobby für den SPD-Politiker, der von 1991 bis 1996 Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg war. Es ist ein Kindheitstraum, eine Passion, die passend zur Kleiderordnung immer auch „mit etwas Fracksausen“ verbunden ist, wie der 74-Jährige selbstironisch zugibt.

Schäuble erwartet

Am 28. Mai setzt er sich diesem unvermeidlichen Lampenfieber, das eher dem „Respekt vor dem Publikum“ geschuldet ist, erneut aus. Diesmal mit gutem Grund, wird er doch nicht weniger als das Festkonzert zum 150-jährigen Bestehen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) dirigieren. Was naheliegt, denn außer der Musik ist Holzapfel als Vorsitzender des Präsidialrates und des Landesverbandes Oldenburg auch dem DRK verpflichtet.

Festkonzert am Berliner Gendarmenmarkt

Das Festkonzert zum 150-jährigen Bestehen des Deutschen Roten Kreuzes findet am 28. Mai um 19 Uhr im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt statt. Auf dem Programm stehen ausschließlich Werke von Ludwig van Beethoven. Die Philharmonie der Nationen wird von Dieter Holzapfel, Vorsitzender des DRK-Präsidialrates und Präsident des DRK-Landesverbandes Oldenburg, dirigiert. Justus Frantz, Chefdirigent des Orchesters, tritt an diesem Abend als Solist beim 5. Klavierkonzert von Beethoven auf.

Das Rote Kreuz ist weltweit eine der bedeutendsten humanitären Organisationen. Allein das Deutsche Rote Kreuz zählt 3,5 Millionen Mitglieder und 400 000 Ehrenamtliche.

  Mehr Infos unter

  Mehr Infos unterwww.drk.de

Seinem Taktstock folgt die Philharmonie der Nationen im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin. Unter den Zuhörern werden sich nicht nur mehrere Botschafter und natürlich DRK-Präsident Rudolf Seiters, sondern auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) befinden.

Orchester, Programm – ausschließlich Werke von Ludwig van Beethoven – und Anlass des Konzertes passen nach Ansicht Holzapfels hervorragend zusammen. Die Philharmonie der Nationen, der Musiker aus 30 Nationen angehören – „da sitzt beispielsweise ein Palästinenser neben einem Israeli“ –, sei ebenso wie das DRK vom humanitären Gedanken getragen. Auch Beethoven sei nicht nur ein Revolutionär in der Musik, sondern auch ein großer Humanist gewesen.

Mehr als 20-mal hat Holzapfel schon am Dirigentenpult großer Orchester gestanden, darunter das Oldenburgische Staatsorchester, das Ukrainische Staatsorchester und das Sofia-Festival-Orchestra. Zudem wirkte er bei den Musikfestspielen in Barth auf dem Darß mit. Und er dirigierte schon mehrfach die Philharmonie der Nationen von Justus Frantz, mit dem er seit Jahrzehnten befreundet ist. Für das Konzert in Berlin bereitet er sich sorgfältig vor – mit dem Studium der Partituren und mit einzelnen Passagen, die er auf der Geige nachspielt. Zudem sind Proben mit dem Orchester geplant – geballt an zwei Tagen in Bad Soden und schließlich vor Ort im Berliner Konzerthaus.

Ersten Geigenunterricht hatte Holzapfel schon als Elfjähriger in seiner Heimatstadt Oldenburg. Gern wäre er Dirigent geworden, aber an ein eigenes Klavier oder an Klavierunterricht sei in der Nachkriegszeit nicht zu denken gewesen, erzählt er. „So waren eben die Zeiten damals.“ Es blieb bei der Geige. Aber er sei froh, dass es ihm heute vergönnt sei, die Musik als Hobby zu betreiben, sagt er. Wobei es bei ihm doch mehr ist als das. Er hat längst Dirigierunterricht genommen, bei Justus Frantz und Martin Panteleev, dem Chefdirigenten des Sofia Philharmonic Orchestra.

Achtungsvoller Respekt

Bei Musikkritikern hat sich Holzapfel als Dirigent achtungsvollen Respekt erworben, „energischer Zugriff und hohe Sorgfalt“ werden ihm bescheinigt. Sein Herz schlage nicht nur für, sondern auch mit der Musik. Er selbst gibt sich in puncto Selbsteinschätzung eher bescheiden. Das sei seine Sache nicht. Dass es ihm nicht möglich war, sich der Musik professionell zu widmen, nimmt er heute gelassen. Die Arbeit beim DRK sei sehr befriedigend, „weil man da noch etwas bewegen kann“, und das Konzert ein besonderer Höhepunkt. Und überhaupt: „Wer weiß, was aus mir geworden wäre, womöglich ein einarmiger Stehgeiger in irgendeinem Café“.

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