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Musik Immer mit Vollgas gelebt

Alexander Lang

Frankfurt/Main - Kurz nach seinem 70. Geburtstag an Heiligabend erfuhr Lemmy Kilmister von seiner Krebserkrankung, Tumore sollen in Kopf und Nacken gewesen sein. Zwei Tage später war er tot. Der Sänger und Bassist der Heavy-Metal-Band Motörhead starb im Kreis seiner Familie, wie die Band in der Nacht zu Dienstag auf ihrer Facebook-Seite mitteilte.

Der Mann, der 1945 im englischen Stoke-on-Trent als Ian Fraser Kilmister geboren wurde, schien zuletzt vernünftiger geworden zu sein, was seinen selbstzerstörerischen Lebensstil betraf: „Ich trinke jetzt Wodka-Orange“, sagte er kürzlich in einem Interview. Lemmy, wie seine Fans ihn nannten, ging es gesundheitlich nicht gut, er litt unter Herzproblemen. Mehrere Konzerte musste er auf der aktuellen 40-Jahre-Jubiläumstour von „Motörhead“ absagen. Aber ein netter Typ war er darum noch lange nicht. Apokalyptisch war seine Sicht der Dinge, die er mit seinen Bandkollegen Phil Campbell (Gitarre) und Mikkey Dee (Schlagzeug) mit infernalischem Krach und heiserem Krächzgesang seinen Hörern in die Ohren brüllte.

Schräge Bonmots

Songs wie „Ace of Spades“, „Bomber“, „Overkill“ und natürlich die Band-Hymne „Motörhead“ sind Klassiker des Speed-Metal. Sie sind ein Mix aus Punk, Rock’n’Roll und Heavy Metal: rau, schnell, aggressiv. Sie huldigen dem süßen Leben und sind alles andere als politisch korrekt.

Kilmister galt als einer der letzten Altvorderen des metallisch-lauten Musikgenres. Vor allem war der manchmal die Fäuste schwingende Kneipenfan ein Mann des offenen Worts – und eckte damit regelmäßig an. Die mit ihm älter gewordene Motörhead-Fangemeinde, die hartgesottene Rockfans und brave Familienväter vereint, liebte ihn dafür. Über die Jahre wurde er auch im Feuilleton salonfähig.

Seine oft schrägen Bonmots – „das Geheimnis des Lebens ist es zu überleben“ – wurden von Fans gesammelt. Rituale waren wichtig für ihn – und für seine 1975 gegründete Band. Der Begrüßungssatz „We are Motörhead and we play Rock'n'Roll“ zu Beginn jedes Konzerts gehörte ebenso dazu wie das Rückkopplungsgewitter zum Abschluss.

Der Musiker, der einst Bühnenhelfer von Gitarrengenie Jimi Hendrix und Bassist der psychedelischen Space-Rock-Band „Hawkwind“ war, rechnete in seinen Texten ab: mit verlogenen Politikern, Moralaposteln und raffgierigen Industriebossen. Beißend war Kilmisters Religionskritik: Sein Vater war ein Feldkaplan bei der Royal Air Force, der die Familie in Armut sitzenließ. Die Religionen trügen eine Hauptschuld für Unfrieden und Ungerechtigkeit in der Welt, wetterte der Musiker.

Kilmister pflegte sein Proletenimage und war eine Stilikone des Heavy Metal. Er war stets schwarz gekleidet, ließ ein Eisernes Kreuz um den Hals baumeln, das oft auch in der rechtsextremen Szene benutzt wird, und war Sammler von Nazi-Devotionalien. Vorwürfe, der NS-Ideologie nahe zu stehen und ein Sexist zu sein, wies er aber stets zurück.

Spiel mit Symbolen

„Lemmy macht eine geile Musik“, sagte Pfarrer Gernot Meier, Weltanschauungsbeauftragter der badischen Landeskirche in Karlsruhe, kurz vor dem 70. Geburtstag des Musikers. Doch das in der Heavy-Metal-Szene durchaus kontrovers diskutierte Verwenden von Nazi-Symbolen sei kein Spaß. Das Zeigen von Zeichen, die auch „für den Mord an Millionen Menschen stehen“, gehe „trotz aller Freiheit der Kunst gar nicht“.

Kilmister spiele bewusst mit Symbolen und sei sich auch deren verstörender Wirkung bewusst, erläuterte kürzlich der Musikjournalist Frank Thießies von der Genre-Zeitschrift „Metal Hammer“. Doch sei der Rockmusiker definitiv kein Nazifan. Seine Religionskritik und die Faszination für das Kriegsthema lägen wohl auch in seiner vaterlosen Kindheit begründet.

„Wir können nicht ausdrücken, wie schockiert und traurig wir sind, es gibt keine Worte“, schrieb Motörhead bei Facebook. „Wir werden in den kommenden Tagen noch mehr sagen, aber fürs Erste ... spielt laut Motörhead.“

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