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Film Immer noch voller turbulenter Ideen

Julia Hollnagel

Rom - Schon mit 20 Jahren wusste er, was er aus seinem Leben machen wollte: Filmregisseur werden. Das, wofür viele Eltern auch heute noch ihre Kinder rügen würden, hat Vittorio Taviani 1949 gewagt. Entgegen dem vorgezeichneten konventionellen Lebensweg brach er mit 20 Jahren sein Jurastudium ab, zog aus der Toskana in das Hollywood Italiens, nach Rom, um dort seinen Traum zu verwirklichen. Am kommenden Sonnabend (20. September) wird der Regisseur 85 Jahre alt. Und er ist seiner großen Berufung immer noch nicht müde.

Perfekte Symbiose

Auch in den vergangenen Jahren machte der Italiener mit Projekten auf sich aufmerksam, gewann 2012 mit dem Film „Cäsar muss sterben“ den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele. Wie immer führte er die Regie gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Paolo.

Dass es den beiden auch im fortgeschrittenen Alter nicht an Einfallsreichtum mangelt, beweist die Konzeption des Stücks: Die Brüder dokumentieren den Weg einer Gruppe italienischer Gefängnisinsassen, die Shakespeares „Julius Cäsar“ aufführen wollen – eine emotionale und turbulente Idee. „Wir arbeiten handwerklich, dass es dann Kunst wird, ist ein Zufall“, erklärte Vittorio 2012 in einem Interview.

Interviews geben die Brüder meist gemeinsam, auch äußerlich sind sie schwer auseinanderzuhalten. Ihre Zusammenarbeit am Dreh wird als die perfekte Symbiose beschrieben, jeder für sich und doch gemeinsam schaffen sie seit über 50 Jahren ein Kunstwerk nach dem anderen.

Ihre Werke weisen alle die sozialkritische, neorealistische Prägung auf, die sie in ihrer Jugend im Cineclub Pisas erfuhren, den sie regelmäßig besuchten. Anfangs konnten sie für ihre stark ideologisch geprägten Regiekonzepte keine Produzenten finden und machten daher ihre ersten Filme für den italienischen Fernsehsender Rai.

Für diesen war ursprünglich auch „Mein Vater, mein Herr“ gedacht, der den Brüdern mit dem Gewinn der Goldenen Palme in Cannes 1977 den internationalen Durchbruch brachte. Gedreht nach der Autobiografie des Autors Gavino Ledda, erzählt der Film von der mühseligen Befreiung eines jungen Mannes von der Unterdrückung seines Vaters. Der erste Erfolg an den Kinokassen für die Tavianis war 1979 „Die Wiese“, ein Bericht über drei Studenten, die nach dem Scheitern einer Revolte verzweifelt versuchen, an ihren Idealen festzuhalten.

Neues Projekt

Auch in ihren weiteren Filmen sind Literatur und Kino für die beiden Italiener untrennbar miteinander verbunden. Unter anderem lieferten Goethe, Tolstoi und Pirandello Vorlagen für ihre Regiearbeiten. Die Tavianis schaffen es immer wieder, mit ihren außergewöhnlichen Konzepten Aufsehen zu erregen und die Kritiker zu begeistern.

Zurzeit laufen die Dreharbeiten für ihr neues Werk: „Der wunderbare Boccaccio“. Mit dem Projekt, das Meisterwerk „Dekameron“ von Giovanni Boccaccio auf die Leinwand zu bringen, stellen sie sich nun einer neuen Herausforderung.

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