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NWZonline.de Nachrichten Kultur

In den Klauen der britischen Bürokratie

09.09.2013

Oldenburg /London Nichts konnte diese Frau aufhalten: der staatliche Terror in Teheran nicht, die Flucht nach London nicht, nicht einmal der Krebs, der ihr beide Brüste nahm. Doch sie kannte die britische Bürokratie noch nicht.

Mania Akbari, 39 Jahre alt, soll ab Mittwoch Ehrengast des 20. Internationalen Filmfestes in Oldenburg sein. Das Festival widmet der iranischen Künstlerin seine diesjährige Retrospektive; zum ersten Mal werden Akbaris Filme und Videoinstallationen in Deutschland zu sehen sein. Zuvor liefen sie auf mehr als 40 Festivals in anderen Ländern. Sie gewannen Preise in Italien, Spanien, Brasilien, Indien, in den USA und auf den Bahamas. In Oldenburg soll nun der erste deutsche Ehrenpreis hinzukommen.

Doch das Innenministerium in London, wo Akbari im vergangenen Jahr um Asyl bat, stellt ihr nicht die dringend benötigten Dokumente für eine Reise nach Deutschland aus. „Durch Budgetkürzungen und andere Probleme im Ministerium“ sei es zu unerklärlichen Verzögerungen im Asylverfahren gekommen, teilte ihr Anwalt mit. Akbari habe zwar einen Duldungsstatus als Asylantin, sie warte aber immer noch auf die bestätigenden Papiere, ohne die sie keine Reiseerlaubnis bekomme.

„Ich hatte nie Genehmigungen für meine Dreharbeiten“, sagte Akbari. Auch nicht bei ihrem bislang letzten Film, „Women Do Not Have ­Breasts“, in dem es zunächst vor allem um den gesellschaftlichen Umgang mit einer Krebserkrankung ging. Dann wurden Mitglieder ihres Filmteams verhaftet, der Druck auf die Regisseurin wuchs täglich, bis sie nach England floh, „nach 15 Jahren der Angst und Frustration“. Aufhalten ließ sie sich dadurch nicht, sie stellte den Film fertig, es wurde nun ein anderer Film. Längst ging es nicht mehr nur um den Kampf zweier Zellen im Körper, wie Akbari den Krebs einmal beschrieb, sondern auch um den Kampf von Staat gegen Kunst, Lüge gegen Wahrheit, Böse gegen Gut. Der Film heißt jetzt „From Teheran To London“; er wird am 13. September in Oldenburg gezeigt.

Oldenburgs Oberbürgermeister schaltete sich ein, er schrieb einen offiziellen Brief an das britische Innenministerium. Er lobte das Filmfest als eines der bedeutendsten in Europa, berichtete von den Gästen aus allen Teilen der Welt und erklärte schließlich: „Mania Akbaris Teilnahme ist unverzichtbar für das diesjährige Festival.“ Es würde eine große Erleichterung für alle Beteiligten bedeuten, wenn die Behörde die erforderlichen Dokumente rechtzeitig bereitstellen könne; auch er persönlich wäre außerordentlich „aufrichtig dankbar“. Gezeichnet: Prof. Dr. Gerd Schwandner, Mayor, City of Oldenburg.

Die Grenzbehörde schickte eine kurze Standardantwort an „dear Sir and Madam“ zurück. Man werde „Miss Aknari“, der Name ist falsch geschrieben, ihre Aufenthaltserlaubnis in zehn bis 14 Tagen zustellen. Damit könne sie dann ihre Reisedokumente beantragen, wofür eine „völlig andere Abteilung“ zuständig sei. „Thank you“, Unterschrift.

„The Guardian“, „The Financial Times“, „Female First“, sie alle führten Interviews mit Mania Akbari nach ihrer Ankunft in London. Sie wollten ihren Lesern die Frau vorstellen, die sich durch nichts und niemanden aufhalten ließ. Für das britische Innenministerium ist sie nur ein Asylverfahren, Nr. 016506476.

In Oldenburg arbeiten Filmfest und Stadt fieberhaft weiter daran, den Ehrengast nach Deutschland zu holen. Eine vorläufige Reiseerlaubnis ließe sich innerhalb weniger Stunden ausstellen, heißt es. Auch die Landesregierung ist inzwischen in den Fall involviert. „Wir geben die Hoffnung noch nicht auf“, sagte Filmfestchef Torsten Neumann am Sonntag. Am Mittwoch will er Mania Akbari zur Filmfest-Eröffnung auf dem Roten Teppich begrüßen.


Mehr Infos unter   www.filmfest-oldenburg.de 
Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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