Hoykenkamp - Das war ein ausgefüllter Tag, daran können sich Ulla (73) und Ernst Ruhm (76) gut erinnern: Morgens ging’s zum Standesamt, obwohl ihnen das Poltern vom Vorabend noch in den Knochen steckte, am frühen Nachmittag traten sie in der Kirche vor den Traualtar und abends wurde im Gasthof der Brauteltern getanzt. 50 Jahre ist das her – an diesem Freitag feiert das Paar aus Hoykenkamp Goldene Hochzeit. Beide sind in Gemeinde und Kreis als langjährige Kommunalpolitiker bekannt und engagieren sich darüber hinaus in mehreren Vereinen.

In Bockhorn in der Friesischen Wehde lernten sie sich Mitte der 50er Jahre kennen: Ernst Ruhm, der mit seiner Familie aus dem schlesischen Kreis Ohlau vertrieben worden war, und Ursula Haase, deren Eltern im Ort eine Gastwirtschaft und einen Malerbetrieb führten. In der Gaststätte traf sich die Jugend des Dorfes – „und irgendwann sprang der Funke über“, erzählt Ulla Ruhm. 1962 verlobte sich das Paar, drei Jahre später läuteten in Bockhorn die Hochzeitsglocken.

Als der Bauingenieur Ernst Ruhm in der Delmenhorster Außenstelle des Staatshochbauamtes Oldenburg eine Anstellung fand, zog das junge Paar 1966 nach Delmenhorst. Im gleichen Jahr kam Sohn Thomas zur Welt, ein Jahr später folgte dessen Bruder Bernd. 1972 erwarb das Paar ein Grundstück an der Straße Alter Wehrgraben in Hoykenkamp. „Das Haus habe ich praktisch allein gemauert“, berichtet der gelernte Maurer Ernst Ruhm. Fürs Staatshochbauamt hat er noch ganz andere Projekte gestemmt, etwa Bauten für die Uni Oldenburg oder das Staatstheater.

Als die Söhne aus dem Haus waren, begannen die Eltern, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. In der SPD waren beide seit den Siebzigern, und 1986 stellte die Partei sie als Kandidaten auf: ihn für den Kreistag, sie für den Gemeinderat – beide errangen ein Mandat. Dass sie manchmal unterschiedliche Interessen vertreten mussten („Im Kreistag denkt man anders als in den Gemeinden“, weiß Ernst Ruhm), war kein Hindernis. „Schwierig war’s nur, wenn wir beide Sitzung hatten“, wirft seine Frau ein, „wir hatten ja nur ein Auto“.

Drei Wahlperioden hatten beide sich von vornherein vorgenommen, dabei blieb es auch: 2001 schieden sie aus den Gremien aus. Ehrenamtlich aktiv sind sie aber bis heute: Ulla Ruhm führt seit 15 Jahren die Schönemoorer Arbeiterwohlfahrt, ihr Mann ist dort Schriftführer. Das gleiche Amt hat er im Kameradschaftsbund Schönemoor inne, und lange war er auch Schriftführer im Ortsverein Hoykenkamp. Trotzdem bleibt ihm noch Zeit für den geliebten Garten und für ausgedehnte Radtouren.

Ulla Ruhm kegelt alle 14 Tage mit ihrem Club, den „Glühwürmchen“, und reist gern. Lange fuhr sie mit der Volkshochschule einmal im Jahr nach Berlin. Auch gemeinsam sind die Eheleute viel unterwegs, oder sie brechen mit den Freunden von der „Hutgruppe“ zu Städtetouren auf. Zur Goldenen Hochzeit bleiben sie aber am Ort: Am Abend wird bei Menkens gefeiert. Und den kirchlichen Segen lässt sich das Goldpaar nach 50 Jahren auch noch einmal geben.