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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Oper: In der Hochzeitsnacht verlassen

27.01.2014

Oldenburg Das Thema ist zeitlos: Wie verarbeitet der Mensch das Verlassenwerden? Dieser Frage spürt Salvatore Sciarrino in seiner Oper „Lohengrin“ (1982/ 1984) nach, die am Sonnabend in der Oldenburger Exerzierhalle des Staatstheaters ihre Premiere feierte. Mit ihr tritt er heran an den berühmten Lohengrin-Stoff, greift aber nicht, wie Wagner, auf Wolfram von Eschenbachs Versepos „Parsifal“ zurück, sondern auf eine Erzählung des französischen Symbolisten Jules Laforgue.

In dessen Version rettet der Schwanenritter Lohengrin Elsa durch Heirat vor der Blendung – eine drohende Strafe für ihre angebliche Unkeuschheit. In der Hochzeitsnacht allerdings folgt die Ernüchterung: Lohengrin verabscheut Elsas mädchenhaften Körper. Er nutzt die Gunst der Stunde, als sich das Kopfkissen des Ehebettes in einen Schwan verwandelt, und entschwindet auf dessen Rücken.

Sciarrino schafft sich einen ganz eigenen Zugriff auf diesen Stoff, dünnt aus und entzaubert. In seiner „unsichtbaren Handlung“ rückt er die Figur Elsa in den Fokus. Sie erinnert und reflektiert, nunmehr gealtert, das Geschehen.

Sie erlebt immer wieder die Anklage vor dem Tribunal sowie die Zurückweisung durch ihren Bräutigam. Sciarrino arbeitet mit Fragmenten, Brüchen und Wiederholungen, hebt die Chronologie auf und spielt mit der Perspektive. Die Schauspielerin und Sängerin Salome Kammer verkörpert nicht nur Elsa, sondern zugleich in 45 Minuten die rufende Menschenmenge beim Tribunal, Lohengrin in der Hochzeitsnacht oder eine neutrale Erzählinstanz.

Die szenische Aktion ist auch in der Inszenierung Fiedlers schlicht gehalten. Mit atemberaubender Präsenz generiert Kammer keuchend, flüsternd, röchelnd, glucksend, sprechend, schnalzend und zuletzt auch singend ein psycho-akustisches Porträt Elsas, wechselt virtuos zwischen Situationen und Figuren und lässt so zugleich eine ganz eigene lebendige Welt auf der Bühne entstehen.

Sciarrinos Musik ist eng auf die Person und die fiktive Raumgestaltung abgestimmt. Mit geräuschhaftem Flageolettieren, mit tonlosem Flöten, klaren Bläserklängen und pulsierendem Schlagzeug schaffen die Mitglieder des Oldenburger Staatsorchesters unter der Leitung von Yuval Zorn eine greifbar räumliche Atmosphäre und machen die späte Verarbeitung des Verlassenwerdens zu einer ganzheitlichen sinnlichen Erfahrung.


Alle NWZ -Kritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
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