Oldenburg - „Zahlen sind nicht alles“, sagte Friedrich Scheele, der Leiter der Städtischen Museen, Sammlungen und Kunsthäuser in Oldenburg, am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz. „Aber daran werden wir gemessen.“
2013 haben sich Scheele und sein Team gern messen lassen. Mit insgesamt 78 608 Besuchern konnte man eine Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielen (68 153). Besonders die populären Ausstellungen zu Marc Chagall („da sind wir überrannt worden“) oder zu Oldenburg im Vorkriegsjahr 1913 stellten sich als attraktiv heraus. In den Gästebüchern, so Scheele, stünden Sätze wie „weiter so!“. Da gehe ihm als Museumsleiter das Herz auf.
Entsprechend beschwingt startet man ins Jahr. Das Janssen-Museum zeigt unter anderem den Papierschnitt als eigenständiges künstlerisches Medium (25.1.–27.4.), beleuchtet mit Emil Orlik (1870–1932) die frühe Japan-Faszination in Deutschland und widmet sich natürlich seinem Namensgeber: Vom 18. Juli bis zum 16. November locken erotische Fantasien (und deren gibt es viele) von Horst Janssen. Der passende Titel: „Geile Sybillchen“.
Im Herbst dokumentiert man die nicht ganz so bekannte Kunstszene der Türkei, die auch in anderen Häusern eine Rolle spielen soll, und vergibt zum fünften Mal den Horst-Janssen-Grafikpreis der Claus-Hüppe-Stiftung.
Auch die Artothek, der Pulverturm oder das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst versprechen Sehenswertes. Eine „bunte Ausstellung“ kündigt Andreas von Seggern an, der das Stadtmuseum leitet. Gemeint ist eine Schau zur Frauenbewegung: „Vom Tomatenwurf zur Frauenquote“. Ein Wurf markierte 1968 in einer Versammlung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) den Beginn der Frauenbewegung. Kuratiert wird die Schau vom Frauenbüro der Stadt (16. 2.–16.3).
Zudem zeigt das Stadtmuseum unter anderem die Zeichnungen Robert Gernhardts (23.3.–4.5.) und wahrscheinlich im Mai die Werke von Katja Aufleger. Sie ist frisch gekürte Förderpreisträgerin der Öffentlichen Versicherungen.
Die große Sommerschau des Stadtmuseums widmet sich – ein längst überfälliges Projekt – Oldenburg als „Stadt der Gärten“ (15.6.–31.8.). Und am Ende des Jahres feiert man sich selbst: Das Stadtmuseum wird 100 Jahre alt.
Das Edith-Ruß-Haus widmet sich wichtigen Netzkünstlern (7.3.–21.4.) oder etwa der Russin Tviga Vasilyeva, die versichert, das Innere von Bäumen hörbar zu machen (13.6.–13.7.). Das ist aber noch gar nichts gegen den Installationskünstler Hannes Waldschütz. Der verspricht vom 23. Januar bis zum 21. Februar in einer gemieteten Ladenfläche „Zivilen Ungehorsam“, so der Titel der Schau.
Und worin besteht der Ungehorsam? Waldschütz protestiert gegen die Wegwerfgesellschaft. Der Mann will alles reparieren. Man dürfe vorbeibringen, was immer kaputt sei – vom Toaster bis zum Bügeleisen. Angeblich kann Waldschütz auch gut an Autos schrauben. Man darf gespannt sein.
