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NWZonline.de Nachrichten Kultur

In Orthografie zunehmend schwach

09.08.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-08-09T05:26:27Z

Rechtschreibreform:
In Orthografie zunehmend schwach

Hannover Befürchtet hatten es Reformgegner schon immer, nun lässt es sich nach 20 Jahren Rechtschreibreform auch belegen: Die Fehlerquote der Schüler hat sich vervielfacht. Der Bildungsforscher Uwe Grund in Hannover, der für sein gerade erschienenes Buch eine Vielzahl von Daten ausgewertet hat, lastet das aber nicht den Schulen und Schülern an, sondern der Rechtschreibung selbst. Die Reform sei ein „Flop“ und habe den „Praxistest nicht bestanden“. Einziger Ausweg für den 76-Jährigen: „Wir müssen die Resettaste drücken und neu anfangen.“

Fehler vervielfacht

Der Studie zufolge entfallen 75 Prozent der Fehler auf die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Groß- und Kleinschreibung sowie die Verwendung von „ß“ und „ss“ – also auf die drei wichtigsten Pfeiler der Rechtschreibreform. In Vergleichsdiktaten bei Schülern der Unterstufe (5. bis 7. Klasse), so die Studie, sei die durchschnittliche Fehlerzahl von vier Fehlern in den 1970er Jahren auf sieben Fehler in den 2000er Jahren gestiegen.

Uwe Grund stellt die These auf, dass der Schreiber zu vermehrten Fehlern geradezu verleitet werde, dass ein Teil der Regeln „unverständlich und auch für den Fachmann extrem schwer nachzuvollziehen“ sei. Zudem gingen viele „gegen das Sprachgefühl“. Ihren zentralen Zweck, nämlich die Vereinfachung des Schreibens, habe die Rechtschreibreform verfehlt.

Über eine Lösung sei er sich selber unschlüssig, sagt der Bildungsforscher. Als mögliches Vorbild nennt er die Schweizer Orthografische Konferenz (SOK), zu der sich vor zehn Jahren Buch- und Zeitungsverleger, Autoren und Wissenschaftler zusammengetan haben, „um die beschädigte Einheitlichkeit und Sprachrichtigkeit der Rechtschreibung in Presse und Literatur der Schweiz wiederherzustellen“.

Rad nicht zurückdrehen

Diese Adresse hatte kürzlich auch der emeritierte Erlanger Germanistik-Professor Horst Haider Munske in einem Beitrag für die „FAZ“ genannt. Die jüngsten Empfehlungen der Konferenz „wollen die Variantenvielfalt zugunsten der traditionellen Schreibung beseitigen“. Das sei „praktizierte Demokratie“.

Auch Hans Zehetmair, ehemaliger bayerischer Kultusminister (CSU), hält die Reform inzwischen für einen Fehler, den man nicht wiederholen dürfe. Es sei aber „eine Illusion“ zu glauben, sagt der 79-Jährige, der noch bis Jahresende dem Rat für deutsche Rechtschreibung vorsitzt, dass man das Rad wieder zurückdrehen könne. Er sieht das Problem an der Wurzel: Generell habe die korrekte Orthografie an den Schulen abgenommen – vor allem durch die digitalen Medien.

Daher appelliert er dafür, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass Sprache ein Kulturgut sei. Dem Schreiben müsse wieder größeres Gewicht beigemessen werden.