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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Debütroman: In puncto Komik das Beste seit Woody Allen

13.03.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T08:33:27Z 280 158

Debütroman:
In puncto Komik das Beste seit Woody Allen

Zürich Nichts an diesem Romandebüt ist gewöhnlich: Nicht der sperrig lange Titel, nicht der überraschende Erfolg im Heimatland des Schweizer Autors, nicht die Sprache, die Thomas Meyer wie selbstverständlich mit Jiddisch kombiniert, und auch nicht seine Zukunft.

Die Filmrechte am Schicksen-Buch, wie es der Kürze wegen genannt werden sollte, sind bereits vergeben, die Taschenbuchrechte hat sich Diogenes gesichert (Erscheinungsdatum: 26. Februar). Auch das ist ungewöhnlich, denn der Verlag lizenziert nur selten Bücher anderer Verlage für seine Taschenbuchabteilung. Bleibt noch, die Komik zu erwähnen: Die nämlich ist seit Woody Allen das Beste, was je zwischen zwei Buchdeckel gepasst hat.

Mordechai Wolkenbruch heißt der Held des Romans, von seiner Mutter nur „Motti“ genannt. 25 Jahre alt ist er, lebt als orthodoxer Jude in Zürich bei seinen Eltern, und soll sich nun endlich eine Frau auswählen – gefälligst unter den Dutzenden, die ihm seine resolute „mame“ vorführt. Nur Pech, dass sich Motti für keine von ihnen erwärmen kann, sehen sie seiner Mutter doch alle zum Verwechseln ähnlich, namentlich am „tuches“.

Wem sich die Bedeutung des Wortes nicht erschließen sollte, der kann hinten im Glossar nachschlagen (tuches = Hintern). Noch vor dem Rezept für Matzenknödel.

Doch mit der „Jiddischkajt“ ist es nicht weit her, wenn einem auf der Universität, die Motti brav besucht, ein umwerfender tuches begegnet, der ausgerechnet einer „Schickse“ (nichtjüdischen Frau) in Jeans gehört. Kaum hat er bei Verwandten in Tel Aviv, wo ihm die Flausen eigentlich ausgetrieben werden sollten, seine ersten erotischen Erfahrungen gesammelt, verlässt Motti den geraden Pfad der Tradition und Tugend. Er kauft sich eine coole Hornbrille, stutzt sich beherzt den fusseligen Bart und macht sich daran, besagte Schickse zu erobern.

Meyer, der selbst einer jüdischen Familie entstammt, liebt die Klischees, weil sie sich so herrlich überzeichnen lassen. Es gibt ganze Kapitel – etwa jenes vom Besuch Mottis und seiner mame bei der Großmutter im Altenheim –, die zum Wegwerfen komisch sind. Diesen Effekt erzielt der 39-Jährige durch gekonntes Einstreuen des tradierten jiddischen Vokabulars und einiger Wortneuschöpfungen, die sich umstandslos in den Sprachfluss einfügen. Das gelingt nicht nur in den Dialogen, sondern auch bei der Erzählerstimme von Motti, der sich vom zurückgebliebenen Bub mit Mutterkomplex zu einem erwachsenen Mann emanzipiert, der bei Bedarf den keulenschwingenden Höhlenmenschen rauslässt.

Doch die Entscheidung für den anderen Weg ist vor allem eines: steinig. Und für den Leser urkomisch.