Rastede - Baskenmütze, dunkler Blazer, Klavier – mehr nicht. Genau hinhören musste das Publikum am Sonnabend bei der ausverkauften Soiree im Palais Rastede. Klavierkabarettist Felix Janosa kam direkt aus der „Hitfabrik“ ins Palais und hatte eine kritische Abrechnung mit dem Musikbusiness im Gepäck.

In seinem Programm „In der Hitfabrik“ präsentierte der Komponist, Kabarettist, Pianist und Produzent ein unterhaltsames Resümee seiner langjährigen Erfahrung in Tonstudios und der Musikbranche. Mit äußerst intelligenten Wort- und Liedbeiträgen, die Janosa exzellent auf dem Klavier begleitete, beleuchtete er das Geschäft mit der Musik aus kabarettistischer Sicht.

Dabei kamen die Produzenten nicht ungeschoren davon: „Jeden Morgen gehe ich in meine Hitfabrik. Ich setze mich ans Band und fange an mit Volksmusik. Hab ich das erledigt, geht’s zu Rock und Punk, zu Metal und Crossover, R&B und Funk. Die Raps sind etwas schwerer, denn sie sind zu lang. Hab immer nur die Charts im Blick – in der Hitfabrik.“

Als Musikproduzent müsse man Betriebswirtschaftler und völlig unmusikalisch sein, lautete sein Fazit. Das Musikgeschäft sei nichts für träumerische, empfindsame Künstlernaturen. Bereits beim ersten Termin im Tonstudio kriege man vom Produzenten harte Sprüche zu hören wie: „Stumpf ist Trumpf“ oder „Gib weniger, verdiene mehr“.

Heute hätten „quotengeile TV-Macher“ in „Profit-Centern“ die Herrschaft über die Musik übernommen. Aber die Produzenten hätten Recht. Was das Publikum wirklich sehen möchte, seien talentlose, hemmungslose Exhibitionisten, die sich in Casting-Shows produzieren.

Ein schlechter Song zeichne sich dadurch aus, das nichts passt und alles geklaut sei. Samples würden kurzerhand aus dem Internet heruntergeladen, wiederholt und fertig sei der Song. Das Schlagerschreiben in zehn Minuten funktioniert, konnte das Publikum selbst erleben. Es beteiligte sich mit großem Spaß beim Texten des Palais- Superhits „Rendezvous um Mitternacht auf Ibiza“.

Auch die Persiflage auf einen Herbert-Grönemeyer-Song, „Monetär ist wichtig“, gefiel dem Publikum. Egal, ob Janosa die „99 größten Megahits aller Zeiten“ in drei Minuten anriss, ob er wie Bushido im Rapper-Stil Goethes Faust für Berliner Kids aufbereitete, die Bachsche Version von „Geiz ist Geil“ präsentierte, Liedermacher Hannes Wader anklingen oder bekannte Größen wie die Beatles, Eric Clapton oder Jimi Hendrix aufblitzen ließ, mit seiner Bühnenpräsenz kam Janosa immer gut an.