Einer geht noch, einer geht noch rein! Bevor die Natur ihr amtliches Endergebnis bekannt gibt und der Klimawandel den Meeresspiegel ansteigen lässt, haben wir wohl noch etwas Zeit zu überlegen, was wir den folgenden Generationen ans Bein binden wollen.
Gerade wird die Arche Noah der Unesco mit weiteren Welterbestätten beladen. Dabei werden bereits 1157 Kulturorte in 167 Ländern gezählt. Mit 51 liegt Deutschland im weltweiten Vergleich aktuell hinter Italien (58) und China (56) auf Platz drei. Wenigstens in diesem Ranking haben wir noch einen Lauf.
Zu diesem Thema saß in der vergangenen Woche die Kulturministerkonferenz mit dem amtierenden Vorsitzenden, Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs, zusammen und erweiterte die Liste um sieben Stätten, darunter der Olympiapark in München, der Fernsehturm in Stuttgart und die Waldsiedlung Zehlendorf Berlin. Aus Niedersachsen fanden die Schöninger Speere ihren Weg ins Ziel.
Jährlich trifft sich das Welterbekomitee, um über die Aufnahmeanträge zu entscheiden. Für jedes Jahr darf jeder Vertragsstaat zwei Vorschläge zur Aufnahme ins Unesco-Welterbe einreichen. Bei einer Welt im Wandel will jeder noch rechtzeitig ein ordentliches Stück vom Kuchen abbekommen. Doch mit jeder weiteren Stätte schreitet die Inflation fort, und am Ende ist der schöne Glanz nichts wert.
Ohnehin ist der Titel leichter vergeben als angenommen. Der Dialog mit der Zivilgesellschaft findet kaum statt, die Nominierung bleibt intransparent, die Finanzierung ist schwierig, und die Folgen bei den Themen Infrastruktur und Stadtplanung sind für die Kommune nicht absehbar.
Wenn das so weitergeht, hat der Ethnologe Stephan Dömpke von der Organisation „World Heritage Watch“ bereits im Jahr 2015 prophezeit, kommt man dazu, dass auch noch der Bürgersteig von Castrop-Rauxel vorgeschlagen wird. Um unsere Kulturerbe-Arche nicht zu überladen, sollte jeder Staat einen letzten Vorschlag machen, danach ist für 50 Jahre Schluss.
Doch was böte sich hierzulande an? „Deutschland ist schön, seine Landschaften typisch, seine Bauwerke weltberühmt. Man legt Wert auf gepflegte Gastlichkeit und ist stolz auf seine Spezialitäten“: Getreu dem Werbeslogan aus den Achtzigern steht das frisch eingeschenkte Weißbier als wertbeständiger Exportartikel und – bei reichlichem Genuss – der bürgerlichen Mitte als Allheilmittel im Mehrfrontenkrieg gegen Digitalisierung, Genderwahn, Globalisierung, Heizungsgesetz, Flüchtlingsströme und Werteverfall.
Na dann, Prost!
