Wildeshausen - Was bedeutet eigentlich Frieden? Eine gute Frage, auf die sich allerdings nur schwer eine allgemein verbindliche Antwort finden lässt. Denn der Begriff Frieden ist in erster Linie eine abstrakte Hülle, die individuell mit einem Inhalt, einer Bedeutung gefüllt werden muss.
So lautet zumindest das Konzept, nach dem sich viele Schüler der verschiedenen Wildeshauser Schulen in diesem Jahr am Internationalen Friedenstag am 21. September beteiligen.
„Wir haben die Schüler gebeten, uns in Gedichten mitzuteilen, was Frieden für sie bedeutet“, erklärt Ingeborg Jacoby vom Arbeitskreis „Für Demokratie und Toleranz“ im Präventionsrat der Stadt. Zusammen mit ihren Mitstreitern Vera Knapp (Hauptschule), Ulrich Becker (Hunteschule), Sabrina Gleißner (Holbeinschule) und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Charlotte von Olearius, veranstaltet Jacoby seit fünf Jahren diverse Aktionen anlässlich des Internationalen Friedenstages.
Und in diesem Jahr heißt das Motto also Gedichte. Jugendliche und Gedichte, passt das eigentlich? „Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden“, erklärt Jacoby im Hinblick auf 138 eingereichte Arbeiten. Die Ambivalenz des Friedensbegriffs und dessen jeweils unterschiedliche individuelle Bedeutung tritt in diesen klar zu Tage. Von abstrakten Gedanken bis hin zu konkreter Kritik an speziellen Missständen ist alles dabei.
Ein Beispiel: „Mein T-Shirt ist aus Indien, von Gleichaltrigen gemacht; ich weiß es, doch es kümmert mich nicht; Es ist nicht meine Schuld. Oder?“. So schreiben drei Gymnasiasten der zehnten Klassen. In anderen Gedichten geht es beispielsweise um Kritik an der Vergabe des Friedensnobelpreises oder um den Fußballer Cristiano Ronaldo. „Es sind sehr originelle Ansätze dabei“, fasst Ingeborg Jacoby zusammen.
Lyrische Schaufenster
Von diesen können sich alle Wildeshauser Bürger dann spätestens ab dem 19. September selbst ein Bild machen. Dann nämlich wird so manches Schaufenster der Wildeshauser Innenstadt lyrisch verziert. „30 Geschäfte haben bislang zugesagt, die Gedichte für eine Woche bei sich aufzuhängen“, freut sich Jacoby. Nur zwei definitive Absagen stehen dem gegenüber.
Neben den Gedichten gibt es noch zwei weitere Aktionen, die der Arbeitskreis zusammen mit den Schülern für den Internationalen Friedenstag geplant hat.
„Wir hatten die Grundschüler gebeten, Friedenstauben selbst zu basteln“, so Jacoby. Diese sollen in der Zeit um den 21. September in den Bäumen rund um die Grundschulen und auf dem Stellmacherplatz aufgehängt werden.
Der Stellmacherplatz ist zudem gleichzeitig Bühne für die dritte Aktion. Geplant sei nämlich, dass jeweils zwei Gedichte von Schülern der jeweiligen teilnehmenden Schulen (Hauptschule, Hunteschule, Realschule, Gymnasium, Schule Gut Spascher Sand) im Rahmen einer kleinen Feierstunde ab 11 Uhr auf dem Stellmacherplatz vorgelesen werden. Der Platz wird dabei zum ersten Mal in diesem Zusammenhang genutzt. „Es wird eine Art Versuchsballon“, erklärt Jacoby die Tatsache, dass man aufgrund des zeitgleich stattfindenden Herbstmarktes auf besagten Platz ausweichen musste.
Jeder ist willkommen
Doch eigentlich ist die Örtlichkeit egal. Schließlich ist Frieden überall ein Thema. Auch in Wildeshausen, wo Jugendliche verschiedener Herkunft und Religion gemeinsam die Schulbank drücken. „Die Schüler verdeutlichen mit ihren Gedichten, dass jeder hier willkommen ist“, erläutert Jacoby. Und das ein abstrakter Begriff hier in Wildeshausen eine ganz konkrete Bedeutung hat.
