Brake - Laut Lexikon ist sie die zweitgrößte Flussinsel Deutschlands! Aber hat diese Flussinsel namens Harriersand deswegen Weltgeschichte geschrieben?
Sie hat Weltgeschichte geschrieben, aber nicht weil sie elf Kilometer lang und landschaftlich besonders schön ist, sondern weil man die Geschichte des Harriersandes in den Kontext mit der Geschichte des gesamten europäischen Hochadels bringen kann.
Diesen gewagten Bogen schlug am Donnerstagabend der Braker Jürgen Gabbert im Borgstede & Becker Haus. In seinem, mit vielen Bonmots amüsant vorgetragenen Streifzug „Die Weltgeschichte von Harriersand“ ließ der Braker zu Beginn seines Vortrags ganz persönliche Inselerfahrungen einfließen. Aber auch 5000 Jahre – vom Ende der Eiszeit bis ins 21. Jahrhundert – wollten im 90-minütigen Vortrag untergebracht werden.
Erste Siedler
Laut römischen Berichten sollen die ersten Siedler rund um die „Visurgis“ (Weser) die Chauken gewesen sein, dann kamen die Sachsen. Gabbert süffisant: „Die hatten ein Hobby – sie vermehrten sich rasend schnell!“ Kein Wunder, dass es ihnen hier zu eng wurde, sie reisten weiter nach Britannien und gründeten Sussex, Essex und Wessex.
Die Christianisierung und die steigende Macht des Adels brachten das Rad der Geschichte so richtig in Schwung. Bei diesem Thema war Jürgen Gabbert voll in seinem Element.
Burg auf Eiland
Wie ein roter Faden ziehen sich Kriege, Protektionismus, Allianzen, Intrigen und Kabale, eheliche und uneheliche Kinder durch die Geschichte des europäischen Hochadels und immer ging es um Land, um Geld, um Macht. Und mittendrin der Harriersand? Klar, wollten die Bremer freien Zugang zur Nordsee haben. Sie bauten mal fix eine Burg auf dem Harriersand, das fanden die Oldenburger gar nicht so toll, durch verwandtschaftliche Verbandelungen mischten sich irgendwann auch die Dänen ein, das ließ die Schweden nicht kalt und schließlich musste im Sachsenspiegel nachgeschlagen werden, wem die Insel eigentlich gehört.
Um Land und Leute führten die hohen Herrschaften Kriege, um Land und Besitz prügelten sich laut Gabbert auch die Bewohner der Weserinsel: „Da gab es Zoff ohne Ende und es war richtig was los!“ Bevor der Harriersand von den Nationalsozialisten im „Dritten Reich“ als „Licht- und Luftbad“ angepriesen wurde, hatten noch die englischen Könige, eine dänische Margarethe, der Napoleon, sein Bruder Jerome, die Preußen, der Bismarck usw. ihre Finger mit im Inselspiel, nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Kanadier den Harriersand langweilig und irgendwann in den 60er Jahren wurde die Insel endlich so friedlich und liebenswert wie man sie heute kennt. Gabbert: „Dort wurde gefeiert, getanzt und viele Paare kamen zusammen, weil sie angeblich die letzte Fahrt mit der Guntsiet verpasst hatten.“
