Brake - Die Büßer tragen schwarze Kutten und Gürtel aus Hanf. Geschultert haben sie schwarze Kreuze, die sie schweren Schrittes eine Straße in Málaga entlang schleppen. Dazu spielt schwermütige, dissonante Musik. Es ist der Karfreitag im vergangenen Jahr, und der Braker Rolf Hering steht mit seiner Kamera direkt neben dem Leidensweg inmitten vieler Menschen, die diese bewegende Zeremonie miterleben.
In ihren schwarzen Büßergewändern geben die Männer ein schaurig-schlichtes Bild ab. Es ist diese Bußfähigkeit, diese Bescheidenheit und Demut, die zur Schau gestellt wird – und die Rolf Hering in seinem 51. Film eindrucksvoll in Szene setzt. Als Büßer und auch als Wohltäter wollen die Leidenden unerkannt bleiben. „An einer Prozession teilnehmen zu dürfen, das ist ein Privileg“, sagt Rolf Hering.
Unverfälschte Bilder
Rolf Herings Filme sind Reiseberichte fernab der geführten touristischen Routen. Sie sind authentisch, spiegeln Menschen und Landschaft unverfälscht wider. Meist verzichtet der Filmemacher auf langatmige Schwenks sowie Überblendungen. „Das Objekt muss sich bewegen“, erzählt der Braker. Mehrere kurz geschnittene Szenen, mit Bedacht aneinandergereiht, lassen die Beiträge noch dynamischer wirken. Die Kunst liegt im Detail, und Rolf Hering ist Meister seines Fachs.
Seinen Film „Andalusien – Semana Santa in Málaga“ wird er am Karfreitag, 25. März, im Braker Centraltheater zeigen. Beginn ist um 15 Uhr. Er habe den Wunsch gehegt, diese Prozessionen mit all ihrer Farbenpracht einmal zu zeigen – inspiriert von der Mystik. Denn entgegen dem ruhigen Karfreitag, dem laut Rolf Hering interessantesten Tag, beherrschen Lärm und Farbenpracht die Tage von Palmsonntag bis Ostern mit über 40 Prozessionen.
Es sind prachtvolle Schauspiele, ein Dorado in Farben, Tönen und Stimmungen. Die Monstranzen, die getragen werden, wiegen bis zu fünf Tonnen. Das alles filmt Rolf Hering und noch viel mehr: „Man muss gut vorbereitet sein. Man muss sich wohlfühlen, sonst hat das Ganze keinen Sinn“, merkt er an.
Oldtimer im Fokus
Der Film dauert 90 Minuten. 45 Minuten lang stehen die Prozessionen im Mittelpunkt. Darüber hinaus zeigt der 72-Jährige Bilder aus einem Automuseum sowie Beiträge von der Costa del Sol von Nerja bis Gibraltar, die Stadt Ronda und die Guadalhorce-Stauseen mit dem spektakulären Kletterpfad Caminito del Rey.
Horst Hering geht es nach eigenem Bekunden nur um die Sache. Er ist penibel, verliebt auch ins Detail und beschäftigt sich Monate lag mit seinem Material. Mit seinem Werk ist er nie ganz zufrieden. Kurzweilig geschnitten, beschert der Autor seinem Publikum einen bildgewaltigen Beitrag voller Intensität.
