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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Institut für niederdeutsche Sprache droht das Aus

06.06.2016

Bremen Das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen droht in schwieriges Fahrwasser zu geraten. Die Finanzierungsländer Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg haben ein seit 1979 bestehendes Förderabkommen gekündigt. Ende 2017 sollen Zuschüsse von insgesamt 272 000 Euro pro Jahr wegfallen. INS-Chef Reinhard Goltz hält die Begründung für nicht schlüssig und sieht einen Verstoß gegen die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen.

Als Hintergrund der Entscheidung werden ein rasanter demografischer Wandel, eine sich immer schneller verändernde Mediengesellschaft und unterschiedliche regionale Besonderheiten genannt. „Wenig überzeugend“, findet Goltz diese Argumentation.

Aus seiner Sicht hat es keinen Sinn, ein seit Jahrzehnten „erfolgreich arbeitendes Institut“ einzustellen und dann vereinzelt und regional wieder aufzubauen. Das Institut verfügt über drei volle Planstellen und engagiert sich in Schulen und bei Radio Bremen bei den plattdeutschen Nachrichten sowie an der Universität. „Wir sind auch Anlaufstelle für alle Bürger, die sich für das Plattdeutsche interessieren. Eine solche Stelle gibt es sonst in Norddeutschland nicht.“

In Bremen, das als sogenanntes Sitzland des Instituts jährlich 80 000 Euro zuschießt, sieht man keinen Automatismus, der zum Ende des INS führen würde. „Wir sind mit dem INS in guten Gesprächen über die Zukunft des Instituts“, sagte Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz. Es würden gemeinsam zwei Optionen für die Einrichtung geprüft: eine stärkere wissenschaftliche Ausrichtung in Kooperation mit anderen Partnern und die Funktion als Dienstleister, der sich um Sprachvermittlung und -pflege kümmere.

Neben den Länderzuschüssen erhält das INS vom Bund eine jährlich neu zu bewilligende Projektförderung von 120 000 Euro. Inklusive Eigenmitteln ergibt sich ein Jahresbudget von derzeit rund 400 000 Euro.

In den nächsten Wochen soll eine neue Studie erstellt werden, die unter anderem ermittelt. wie viele und welche Menschen wann noch niederdeutsch sprechen. Die vom INS in Auftrag gegebene Studie kostet 60 000 Euro. „Aber wir brauchen diese Daten“, sagte Goltz. Denn so könne nicht zuletzt eine Grundlage für die sprachpolitischen Anstrengungen der Länder geschaffen werden.


     www.ins-bremen.de 

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