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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Intendant entschuldigt sich

26.10.2018
Frage: Pietätlos, geschmacklos – die Pläne des Staatstheaters, den Mordprozess um den Ex-Krankenpfleger Niels Högel auf die Bühne zu bringen, hat helle Empörung ausgelöst? Hat Sie das überrascht?
Firmbach: Das ist durchaus nachvollziehbar. Auch in unseren internen Gesprächen mit der „Werkgruppe2“ kam dieser Reflex, da wir es mit Opfern und deren Angehörigen zu tun haben. Da kommt man ganz schnell in den Verdacht des Populismus. Es war ein Fehler, die Ankündigung des geplanten Theaterprojektes in die Welt zu setzen, bevor überhaupt mit den Angehörigen Kontakt aufgenommen wurde. Das hat Menschen verletzt. Dafür möchte ich mich entschuldigen.
Frage: Haben Sie Erfahrungen mit der „Werkgruppe2“? Was ist von der dokumentarischen, aber theatralen Umsetzung dieser beispiellosen Mordserie zu erwarten?
Firmbach: Das Staatstheater hatte bereits eine Kooperation mit der Göttinger Gruppe, die 2014 ein Dokumentarstück über die Geschichte des ehemaligen Klosters Blankenburg auf die Bühne gebracht hat. Sie ist bekannt dafür, dass sie solche Themen auf unspektakuläre, sensible und respektvolle Weise angeht. Das Projekt kann auch nur gelingen, wenn sich ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedern der Theatergruppe und den Angehörigen der Opfer entwickelt. Wenn das nicht entsteht, kann das Projekt gar nicht realisiert werden. Es geht nicht darum, etwas nachzuspielen, wir bringen auch auf keinen Fall den Täter auf die Bühne. Das wäre viel zu einfach gedacht.
Frage: Aber kann das überhaupt im Sinne der Angehörigen sein?
Firmbach: Das Stück soll in großer Freiwilligkeit und großem Respekt entstehen. Und vielleicht entsteht es eben auch nicht. Wir haben ja noch gar nicht begonnen. Ich glaube, dass wir als Theater auch den kulturpolitischen Auftrag haben, Themen, die uns unter den Nägeln brennen, aufzugreifen und zu beleuchten. In diesem Fall geht es darum, ein Forum für die Opfer zu finden, etwas, was ein Mordprozess nie leisten kann. Und vielleicht können wir mit einem solchen theatralen Abend ein Stück weit bei der Verarbeitung helfen. Wir haben uns zumindest die Chance verordnet, mit professioneller Betreuung durch die „Werkgruppe2“ – wir selber würden uns das ja gar nicht zutrauen –, das zu versuchen. Ich bin nicht sicher, ob es überhaupt zustande kommt. Aber ich möchte nicht jetzt schon den Kopf einziehen, sondern dieser Idee Raum geben.
Frage: Aber hat der Oldenburger Polizeipräsident Johann Kühme nicht recht, wenn er zu bedenken gibt, dass man damit dem Täter Högel – zumindest mittelbar – eine weitere Plattform bietet?
Firmbach: Das ist genau der Grund, weshalb wir uns sehr lange mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Gänzlich ausschließen kann man das nicht. Das steckt natürlich drin, wenn man es so sehen möchte. Aber das betrifft auch andere Theaterstücke oder Filme, die Mörder und Mordprozesse zum Thema haben.
Frage: Aber da geht es um historische Fälle wie etwa in dem Film „Der Totmacher“ über den Serienmörder Fritz Haarmann mit Götz George in der Titelrolle. Zu Högel gibt es aber noch keine zeitliche Distanz.
Firmbach: Das ist richtig, das unterscheidet das Projekt der „Werkgruppe2“ etwa von dem „Blankenburg“-Stück. Da gibt es tatsächlich ein gewisses Risiko, aber ich kann auf die Theatergruppe vertrauen und zwar nach Kenntnis ihrer bisherigen, seriösen Arbeit. Wir werden ganz schnell spüren, ob eine Kommunikation mit den Angehörigen und ein Vertrauensverhältnis entstehen, sonst findet das Projekt schlichtweg nicht statt.
Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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