Um diesen Artikel zu lesen, schließen Sie eines unserer Angebote ab oder loggen sich als Abonnent ein. Alle Inhalte auf NWZonline und in der NWZ-Nachrichten-App stehen Ihnen dann uneingeschränkt zur Verfügung.
Von Regina Jerichow
Frage:
Mister Roberts, es heißt, Sie kämen im April zum letzten Mal nach Oldenburg. Ist das wahr?
Roberts:
Davon weiß ich gar nichts. Wenn man 73 Jahre alt ist, hört man „zum letzten Mal“ nicht so gern.
Frage:
Vor einigen Jahren hatte ich Gelegenheit, Ihr Trainingszentrum „Flag is Up Farms“ in Solvang/Kalifornien zu besuchen. Sie waren erwartungsgemäß nicht daheim. Sind Sie immer noch so oft auf Tour?
Roberts:
Sogar noch häufiger, rund 310 Tage im Jahr. Zurzeit bin ich aber zu Hause und unternahm erst gestern einen Ausritt mit meinem Pferd.
Frage:
Sie mögen es nicht so gerne, wenn man Sie „Pferdeflüsterer“ nennt. Welche Bezeichnung würden Sie bevorzugen?
Roberts:
Die Bezeichnung ist eigentlich nicht so wichtig. Aber seit dem Film „Der Pferdeflüsterer“, in dem einem Pferd doch wieder Gewalt angetan wird, ist mir der Titel verleidet. Es ist furchtbar, was in dem Film gemacht wird. Ich habe drei Jahre lang versucht, die Filmemacher davon abzuhalten. Aber sie hörten mir nicht zu.
Frage:
Haben Sie auch mit Robert Redford, dem Hauptdarsteller, darüber gesprochen?
Roberts:
Ich habe ihn ein paarmal gesehen, aber er ist ein anderer Mensch als ich. Das sei eben Hollywood, war seine Antwort.
Frage:
Wie ist es möglich, dass Sie die Join-up-Methode, die bei Pferden funktioniert, auch in Manager-Kursen anwenden können?
Roberts:
Das Prinzip lässt sich leicht übertragen und funktioniert ausgezeichnet.
Frage:
Aber hoffentlich ohne Strick.
Roberts:
Stimmt, psychologisch gesprochen ist es jedoch dasselbe: Es geht um Vertrauen und Kommunikation zwischen zwei Individuen. Oftmals wird dabei zur Anschauung mit Pferden gearbeitet – entweder ganz direkt, wie hier auf unserer Farm, oder über entsprechende Videos. Pferde können uns lehren, dass Gewalt niemals die Antwort ist.
Frage:
Sie haben selbst die britische Queen Elizabeth II. überzeugt. Seit Jahren werden die königlichen Pferde in Windsor nach Ihrer gewaltfreien Methode ausgebildet. Sie sind sogar Ihr offizieller Berater. Wann haben Sie denn das letzte Mal mit ihr gesprochen?
Roberts:
Ich rede mit ihr etwa zwei- bis dreimal im Jahr, vielleicht auch öfter.
Frage:
Und sie bittet Sie um Rat?
Roberts:
Meistens fragt sie mich nach Neuigkeiten aus der Pferdewelt. Unsere letzte Unterhaltung betraf wissenschaftliche Tests, die in Großbritannien vorgenommen werden. Es gibt eine Gruppe von Wissenschaftlern, die meine Arbeit mit konventionellem „horsemanship“ vergleicht.
Noch sind die Ergebnisse nicht veröffentlicht worden, aber was ich bisher gehört habe, ist fantastisch für mich.
Frage:
Glauben Sie, mit Ihrer Arbeit das Leben der Pferde verändert zu haben?
Roberts:
Ich glaube nicht, dass es mir auf der ganzen Welt gelungen ist. Aber Studien zufolge erleben rund 40 Prozent der Pferde, die in den nächsten zwölf Monaten trainiert werden, zumindest einen Teil meiner Arbeit. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich eine derart große Veränderung auslösen würde. Und wenn man die Reitkunst ganz allgemein betrachtet, dann hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr getan als in den vergangenen 6000 Jahren zuvor. Aber da gibt es immer noch viele Leute, die darüber sehr böse sind.
Frage:
Was kritisieren diese Leute?
Roberts:
Da war kürzlich eine Wissenschaftlerin aus Australien, die mir vorwarf, dass meine Join-up-Methode nicht funktioniere. Und was hat sie gemacht? Sie brachte ein altes und ein junges Pferd zusammen in einen Roundpen (geschlossener Longierzirkel; Anm. d. Red.), ging weg, beobachtete sie und beschwerte sich anschließend, dass es zu keinem Join-up kam. Mit solchen Leuten zu argumentieren, ist reine Zeitverschwendung. Aber letztlich sind die besten Freunde der Welt meine Kritiker, weil sie mich dazu anhalten, so viel zu lernen, wie ich kann. Sie halten mich jung.