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Von Regina Jerichow
Frage:
Sie sind seit drei Jahrzehnten Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, das Tankstellenzubehör, Zapfpistolen und Schläuche produziert. Wie kommt man von da zur Kunst?
Falckenberg:
Es ist die Frage, wie man mit seiner Freizeit umgeht. Man kann Sport treiben, Veranstaltungen wahrnehmen, oder man versucht, persönlich weiterzukommen. Kunst ist nun mal etwas, das die Wahrnehmung und die Sinne wiederbelebt, die in der Routine des Lebens etwas verkümmern. Insofern halte ich die Kunst für ein sehr gutes Ergänzungsprogramm.
Frage:
Wann haben Sie zu sammeln begonnen?
Falckenberg:
Die erste Arbeit habe ich 1994 gekauft.
Frage:
Wissen Sie noch, was das war?
Falckenberg:
A
ber ja, das war eine Arbeit des amerikanischen Concept-Künstlers Bill Beckley.
Frage:
Wenn man bedenkt, dass Ihre Sammlung inzwischen 1900 Arbeiten umfasst, dann ist der Zeitraum von 15 Jahren erstaunlich kurz.
Falckenberg:
Ich habe nicht angefangen wie andere Sammler, die sich zunächst ein Bild in die Wohnstube hängen, sondern gleich mit einem Etat.
Frage:
Wie hoch war der?
Falckenberg
(lacht) Dazu sage ich nichts, aber Sie können sich denken, dass er bei 1900 Arbeiten nicht zu gering war, „ausreichend“ würde ich sagen. Ein Sammler fängt erst dann an, wenn man mehr kauft, als die Wände hergeben. Ich habe von Anfang an unabhängig von den Wänden gesammelt.
Frage:
Sie haben nicht nur schnell gesammelt, sondern sich auch spezialisiert – auf das Groteske in der Kunst.
Falckenberg:
Viele Sammlungen zeitgenössischer Kunst sind weitgehend identisch, jeder hat einen Richter, einen Richard Prince oder Paul McCarthy. Ich habe versucht, einen eigenen Weg zu gehen und bin auf die Groteske gestoßen. Im Grunde kann man meine Sammlung als neo-dadaistisch bezeichnen.
Frage:
Haben Sie eine Arbeit, die Ihnen besonders ans Herz gewachsen ist?
Falckenberg
Nein, man unterstellt Sammlern immer, dass sie aus Begeisterung und fast süchtig sammeln. Mit der Begeisterung ist es bei mir nicht so weit her. Ich versuche, über die Kunst, den Künstler und letztlich über mich selbst nachzudenken. Deshalb habe ich ein distanziertes Verhältnis und identifiziere mich nicht damit. Die avantgardistische Kunst ist ja eine Selbstbefragung, manchmal auch beleidigend. Weshalb sollte ich mich damit identifizieren?
Frage:
Sie haben in Hamburg-Harburg 6500 Quadratmeter große Ausstellungs- und Lagerräume. Kann man kommen und die Sammlung besichtigen?
Falckenberg:
Ja, jeder kann jederzeit rein. Entweder allein – dann muss man sich vorher anmelden – oder über eine Führung. Ich möchte mich gegenüber Museen abgrenzen, ich habe keinen Bildungsauftrag, es gibt bei mir keine Mal-Kurse für Kinder und keine Seniorenprogramme, keinen Bücher-Shop und keine Bar. Ich möchte Kunst zeigen und nicht Coca Cola verkaufen.
Frage:
Was wird mit der Sammlung weiter passieren?
Falckenberg
Gerade in dieser Zeit ist das eine sehr schwierige Frage. Ich möchte im Prinzip gern in Hamburg bleiben. Mir ist klar, dass man eine solche Sammlung nicht einfach in einem Museum unterbringen kann. Ich würde es aber sehr begrüßen, wenn die Hamburger Kunsthalle oder die Deichtorhallen mein Haus mit übernehmen würden. Der Wille ist auf allen Seiten da, aber es ist sehr viel Arbeit, das auch organisatorisch und finanziell zu bewältigen. Wenn es nicht klappt, ist es auch nicht so schlimm, dann gehört die Sammlung eben mir oder meinen Erben.