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Von Esther Rothstegge
Frage:
Viva-Moderatorin, Kolumnistin und Autorin – mancher würde sagen: Wieso haben Sie eigentlich nichts Vernünftiges gemacht?
Kuttner:
Das ist aber keine nette Frage gleich zu Beginn. Ich finde alles ganz vernünftig, was ich bisher gemacht habe. Und einen Roman zu schreiben, ist auch nicht ganz so unvernünftig, oder?
Frage:
War das Romanschreiben etwas, was Sie schon immer machen wollten?
Kuttner:
Nein, das war kein Kindheitstraum oder so. Ich habe vorher ja schon Kolumnen geschrieben und hatte eine Idee, die nicht in eine Kolumne gepasst hätte. Außerdem hatte ich gerade Zeit dafür. Also habe ich mich hingesetzt und geschrieben. Ich habe auch keinem vorher Bescheid gesagt, ,ich schreibe jetzt einen Roman‘, sondern hab’ es einfach gemacht.
Frage:
War das schwierig?
Kuttner:
Nein, das muss man halt probieren. Das war ja auch keine Auftragsarbeit, sondern ein Versuch. Und ich glaube, das hat auch ganz gut funktioniert.
Frage:
Warum befassen Sie sich in dem Buch mit dem Thema Depressionen?
Kuttner:
Weil es da war, und ich Erfahrungen mit Menschen gemacht habe, die Erfahrungen mit diesem Thema gemacht haben. Das hat mich berührt. Und ich habe mich schon immer für die Psyche interessiert, wie Menschen denken und warum man krank wird.
Frage:
Mit dem Buch ist auch gleich ein Hörbuch auf den Markt gekommen. Warum gehen Sie noch auf Lesereise?
Kuttner:
Weil man das so macht. Das ist ja immer noch ein Unterschied, ob die Leute die CD mit meiner Stimme hören oder bei einer Lesung sind. Und Künstler geben ja auch eine CD raus und gehen dann noch auf Tour. Außerdem macht es mir Spaß.
Frage:
Woran liegt das?
Kuttner:
Weil das Arbeit ist, und ich arbeite gern. Und weil da Leute kommen, die mich sehen wollen, die sich extra für mich eine Jacke angezogen haben und den Bus genommen haben. Vielleicht ist das auch viel mehr mein Job, vor Menschen zu reden als zu schreiben. Und trotz einiger Nachteile macht es mir Spaß.
Frage:
Und was sind das für Nachteile?
Kuttner:
Ich reise nicht so gern, und das lässt sich bei einer Lesereise ja schlecht vermeiden. Außerdem beschäftigt man sich immer mit dem Selben, in diesem Fall natürlich mit meinem Buch. Da ich jemand bin, der schnell gelangweilt ist, besteht da schon eine Gefahr. Und man wird so immer wieder mit der Nase auf Sachen im Buch gestoßen, die man jetzt anders machen würde oder bei denen man denkt, das ist jetzt aber nicht so schön.
Frage:
Ändern Sie das dann beim Lesen?
Kuttner:
Nein, ich kürze zwar die Kapitel, aber ich ändere das Buch nicht. Das wäre auch feige und affig.
Frage:
Was planen Sie als nächstes? Noch einen Roman?
Kuttner:
Ich bin kein großer Planer. Es kribbelt zwar ein bisschen in den Fingern, aber in der nächsten Zeit wird es keinen weiteren Roman geben. Der Schreibprozess hat mir unheimlich Spaß gemacht, aber ich habe jetzt kein Thema, über das ich schreiben würde, und da möchte ich es nicht darauf ankommen lassen. Ich kümmere mich weiter ums Fernsehen, aber die Gespräche sind noch in der Anfangsphase, sodass ich dazu nichts sagen kann. Also ich will jetzt auch nicht geheimniskrämerisch klingen, da ist im Moment einfach nichts.