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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vom Reiz einer öden Jugend in Meppen

05.11.2019
Frage: Oma Jever, die Disco „Na Nu“, die regionale Schriftsteller-Legende Georg von der Vring, das Taraxacum in Leer und das Antiquariat Buchstabei in Oldenburg werden in Ihrem neuen Buch genannt, und auch der Meppburger bleiben nicht unerwähnt – machen möglichst viele geografische Folklore-Elemente einen Heimatroman erst zum „Erfolgsroman“?
Henschel: Wenn man einen Roman schreibt, der in einer bestimmten Region spielt, stellt sich das Lokalkolorit von selbst ein. In meinem Fall also der Oldenburger Kramermarkt, der Brüllmarkt in Jever, das traditionelle Bettenwettrennen in Heidmühle oder der Niedergang des SV Meppen.
Frage: Haben sich die Oldenburger Autoren Günter Willen und Bernd Eilert eigentlich bei Ihnen beschwert, dass sie im „Erfolgsroman“ mit ihren Klarnamen für ihre Taten herhalten müssen, während Sie sich hinter der Figur Martin Schlosser verstecken können?
Henschel: Ich lebe in gutem Einvernehmen mit meinen Romanfiguren. Günther Willen hat an den Gesprächen mitgearbeitet, die Martin Schlosser mit ihm führt. Und wenn Martin Schlosser eines Tages dazu übergehen sollte, autobiografische Romane zu schreiben, wird er sich den Namen Gerhard Henschel geben. Dann kommt alles wieder ins Lot.
Frage: „Um da durchzublicken, hätte man ein zweihundertseitiges Personenstandsbuch mit sich führen müssen“, lassen Sie Martin Schlosser sagen. Warum fehlt dieses Register ausgerechnet in Ihrem 602 Seiten dicken Wälzer?
Henschel: Das wird vielleicht noch nachgereicht.
Frage: Was reizt Sie an der Form des Ich-Erzählers?
Henschel: Ein Ich-Erzähler darf auch blühenden Unsinn erzählen, ohne dass ihn jemand dafür zur Rechenschaft ziehen kann.
Frage: Sie reihen mittlerweile im achten Roman-Band Anekdoten Ihrer Kindheit und Jugend aneinander. Haben Sie jemals Ihr eigenes Leben als spannend und facettenreich empfunden?
Henschel: So richtig schön langweilig war es eigentlich nur in den siebziger Jahren in Meppen.
Frage: Manchen ist die Rückschau auf die Jugend peinlich. Sind Sie selbstgerechter geworden im Umgang mit der eigenen Jugend im Abstand von Jahrzehnten?
Henschel: Selbstgerechtigkeit ist nicht erstrebenswert. Aber ich habe festgestellt, dass es lustiger ist, Peinliches zu schildern, als es zu erleben.
Frage: Der WM-Sieg 1990 spielt eine zentrale Rolle: Der vom Teamchef geschmähte Uwe Bein war Ihr Lieblingsspieler – werden Sie jemals Ihren Frieden mit Lothar Matthäus schließen?
Henschel: Der Lothar und ich haben uns vor zwei Jahren am Rande der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen ausgesprochen und sind seither dickste Freunde. Aber für den Entschluss, die deutsche Elf im WM-Endspiel 1990 ohne Uwe Bein auflaufen zu lassen, wird der Teamchef Franz Beckenbauer sich dereinst vor seinem Herrgott verantworten müssen.

Gerhard Henschel,geboren 1962, lebt als freier Schriftsteller in der Nähe von Hamburg. Sein Briefroman „Die Liebenden“ (2002) begeisterte die Kritik ebenso wie die Abenteuer seines Erzählers Martin Schlosser, die mit dem Kindheitsroman 2004 ihren Anfang nahmen. Henschel ist außerdem Autor zahlreicher Sachbücher.

Der Autorliest an diesem Donnerstag (19.30 Uhr) ein „Best-of Martin Schlosser“ in der Stadtbibliothek Wilhelmshaven, Virchowstraße 29. Karten für 12 €  (Abendkasse)/10 €  (Vorverkauf), Tel. 04421-161475

Oliver Schulz Redakteur / Kulturredaktion
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