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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Irrsinniger Törn in den Tod

15.10.2013

Oldenburg Die Segel sind gesetzt, die Pequod nimmt Kurs rund um die Welt. Für das Premierenpublikum der niederdeutschen Erstaufführung von „Moby Dick“ nach dem Roman von Herman Melville beginnt am Sonntagabend im Kleinen Haus keine gemütliche Kreuzfahrt, sondern eine 90-minütige Jagd (ohne Pause) auf den legendären weißen Wal – spannend, packend, atemberaubend.

Ein ums andere Mal gibt es Szenenapplaus (für das grandiose Bühnenbild von Lea Tenbrock, für die Choreografie von Tomas Bünger), am Ende einen minutenlangen, begeisterten Applaus und viele Bravorufe für eine Inszenierung von Michael Uhl, die neue Maßstäbe setzt.

An Bord der Pequod steht eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft aus Landratten und Seebären unter dem Kommando von Kapitän Ahab (Hartmut Schories vom Ensemble des Oldenburgischen Staatstheaters überzeugt als grimmig Getriebener). Er ist besessen und auf seine Art auch ein Flüchtling und Heimatloser wie die Einwanderer aus Syrien, Afrika und dem Irak, die zusammen mit dem Ensemble der August-Hinrichs-Bühne die Mannschaft stellen.

Ihre Biografien verschmelzen mit der Romanvorlage, die Inszenierung führt den Irrsinn der europäischen Flüchtlingspolitik, die erst vor wenigen Tagen Hunderten vor Lampedusa das Leben kostete, deutlich vor Augen.

Über den Autor – Kartenvorbestellung

Herman Melville (1819– 1891) heuert als Jugendlicher auf einem Postschiff als Matrose an. Die harten Bedingungen an Bord werden den Schriftsteller ein Leben lang begleiten. Sein Roman „Moby Dick“ erschien im Jahr 1851 und wurde 1956 mit Gregory Peck verfilmt.

Karten: Telefon  0441/222 51 11

Alle Theaterkritiken unter www.nwzonline.de/premieren

Plattdeutsch ist Bordsprache. Es hat seinen besonderen Reiz, wenn der 1. Offizier Starbuck (Prosper Attoko) platt schnackt mit afrikanischem Akzent. Als er erkennt, dass Ahabs erbarmungslose Jagd ins Verderben führen wird, geht er auf Konfrontationskurs zum Kapitän und wechselt in seiner ausweglosen Verzweiflung ins Französische. Der Smutje (Ilyas Yanc) lernt das Meer als Flüchtling im Schlauchboot kennen. Mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor bekennt Jacques bi Zahouli Zamblé als Queequeg, dass Walfang sein Hobby ist.

Zur Mannschaft gehören außerdem die Offiziere Stubb (Jürgen Müller in Nadelstreifenhose mit Bügelfalte vielleicht nicht ganz stilecht gekleidet) und Flask (Florian Petrina), außerdem Smitt (Clemens Larisch), Timmermann (Walter Korfé), Pip (Jan-Hendrik von Minden), Daggoo (Lucien Minka) und Tashtego (Serwan Balasini). Eine auch körperlich anspruchsvolle Rolle spielt Max Johannsen als Bulkington. Kopfüber am Seil hängend stellt die Mannschaft an ihm das Abschlachten eines Wals dar. Die Szene geht unter die Haut.

Es kommt wie es kommen muss: Der Törn führt in die Katastrophe, Moby Dick versenkt das Schiff und reißt die Männer in den Tod. Einziger Überlebender ist Ismael (Kevin Sandersfeld). Einst Kinderanimateur auf einem Kreuzfahrtschiff und der Menschen überdrüssig, trifft er an Land auf Sami (Sami Alawi). Der Flüchtling und Freund von Pip durfte nicht mit an Bord, weil er keine Arbeitserlaubnis hatte. Welch eine Ironie. Ismaels und Samis Zusammentreffen ist anrührend und bildet den perfekten Abschluss einer eindrucksvollen Inszenierung.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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