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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kulturvandalismus: IS planiert antike Ruinennstätte Nimrud

07.03.2015

Bagdad Die Terrormiliz Islamischer Staat setzt die Vernichtung von Kulturgütern im Irak fort. Mit schweren Militärfahrzeugen hätten die Dschihadisten die bekannte Ruinenstätte der antiken Stadt Nimrud dem Erdboden gleichgemacht, teilte die Regierung in Bagdad mit. Über das genaue Ausmaß der Schäden gab es zunächst keine weiteren Details. Der Irak und westliche Forscher verurteilten den Kulturvandalismus der IS-Miliz scharf.

Gefolgsleute des IS sehen in antiken Kulturgütern Symbole des Abfalls vom Glauben, die es zu beseitigen gelte. Erst vergangene Woche hatten die Extremisten mit der Zerstörung von archäologischen Kunstwerken von unschätzbarem Wert weltweit für Entsetzen gesorgt. Auf einem IS-Video war zu sehen, wie sie am Stadtmuseum von Mossul mit Hämmern und Bohrern jahrtausendealte Statuen zerkleinerten.

Nun richtete sich die Zerstörungswut offenbar gegen Nimrud. Der Ort war einst die zweite Hauptstadt Assyriens, einem antiken Königreich, dessen Blütezeit etwa 900 Jahre vor Christus begann. Nimrud wurde 612 vor Christus zerstört. Die Stätte liegt am Fluss Tigris südlich von Mossul, der zweitgrößten Stadt des Iraks, die die IS-Miliz im Juni 2014 einnahm.

Der Fund von Kunstschätzen in den Königsgräbern Nimruds gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen im 20. Jahrhundert. Vor diesem Hintergrund zeigte sich das irakische Ministerium für Tourismus und Altertümer erschüttert über die Zerstörungen durch die IS-Miliz. Die Gruppe „widersetzt sich weiter dem Willen der Welt und den Gefühlen der Menschheit“, erklärte die Behörde.

Die Wissenschaftlerin Suzanne Bott nahm zwischen 2008 und 2010 in Nimrud mehrmals an Sanierungsprojekten in Nimrud teil. Die Stätte sei eine von vier assyrischen Hauptstädten gewesen, in denen Medizin, Astrologie, Landwirtschaft und Handel praktiziert worden sei. Auch einige der frühesten Schriften habe sie beherbergt. „Sie wird in der Tat als Wiege der westlichen Zivilisation bezeichnet, deshalb ist dieser Verlust so niederschmetternd“, sagte Bott, die an der Universität von Arizona als Projektleiterin für den Erhalt des Kulturerbes im Irak und in Afghanistan arbeitet.

Jack Green, Chefkurator am Orientalischen Institut der Universität von Chicago, wies darauf hin, dass die IS-Miliz zur Finanzierung ihres Krieges oft Artefakte verkauft, die sich forttragen lassen. Die größeren Kunstwerke und Skulpturen würden an Ort und Stelle zerstört.

Die Terrormiliz beherrscht weite Teile des Irak und Syriens. In ihrem sogenannten Kalifat verfolgen die sunnitischen Extremisten Angehörige anderer Religionsgruppen.

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