JADE - Auf großer Fläche erscheinen Farbwolken, verdichten sich im Bildzentrum, teilen sich oder wachsen zusammen und lösen sich zum Rand auf. Die Bildmitte bleibt für die abstrakten Kompositionen von Peter Kuckei, der jetzt aus Miami in seine alte Heimat nach Jade gekommen war, der Ort, wo Farben zusammenfließen und Auflösungsprozesse Farben transparent werden lassen.
Das Werden des Bildes ist als musikalischer Klang zu sehen: Farbballungen machen Klangdichte sichtbar, die bei Kuckei primär harmonische Eindrücke weckt, nicht zuletzt, weil die Bilder auf wenigen Farben, aber reichen Abstufungen basieren, dem Weiß großen Raum und der Farbe maximale Ausdehnung vom hellen bis zum dunklen, vom leichten bis zum intensiven Ton gewähren. Kuckei, 1938 geboren, hat lange in Butjadingen gelebt, und sein Bild-Konzept wird auch unter dem Licht von Miami bewahrt und oft mit amerikanischen Straßennamen betitelt. Die Bilder bauen so Brücken zwischen dem historisch gewordenen Informel und der Gegenwart. Seine Ausstellung ist in der Galerie Schönhof, (Jade, An der Bundesstraße 437) bis zum 29. Juni zu sehen.
Auf die Gesten, die Frauen in angeregten Gesprächen, in wartender Haltung vor Prüfungen oder im Tanz unwillkürlich zeigen, hat sich die Schweizer Keramikerin Nathalie Schnider-Lang, die nun in der Galerie von Belinda Berger in Westerstede-Linswege bis zum 13. Juli ausstellt, spezialisiert. Vor Jahren baute sie in ihrer Werkstatt einen Salzbrennofen, der ermöglicht, ihre Keramik einem Niedrigsalzbrand zu unterziehen.
Den Porzellanfarben wird so Glätte und Glanz genommen. Die meist handgroßen Figuren erhalten eine spröde, scheinbar aufgerissene Oberfläche, die zu ihren lebhaften Gesten passt. Nur einzelne Partien bekommen Glanztöne, um auch malerisch Akzente zu schaffen. Zur Eigentümlichkeit der keramischen Figuren gehört eine vom Fingerdruck bestimmte Materialität des Tons, die in der Wirkung der Leichtigkeit entspricht, mit der sich diese weiblichen Gestalten zu bewegen scheinen. In größeren Keramiken, die den Kopf thematisieren, ist die Oberfläche geglättet, was ihnen eine meditative Ruhe verleiht.
Schöne Ansichten findet der Tessiner Grafiker und Maler Diego Bianconi in alltäglichen Dingen: Maschinendetails, Schlosspartien, von Mauern eingeschlossen, perspektivische Landschaften mit Nahsicht auf den Nutzpflanzenanbau zählen zu seinen Motiven. Bianconi, geboren 1957, zeigt erstmals in der Galerie Wildeshausen von Hartmut Berlinicke eine Werkübersicht. Der Künstler ist 1988 in die Dürerstadt Nürnberg gezogen und wurde Meisterschüler von Johannes Grützke. Konsequent verfolgt er realistische Bildauffassungen. Gewiss hält er sich an den Augenschein, doch wählt er Sichtwinkel und Perspektiven, die dem einzelnen Motiv eigenwillige Ansichten abfordern. Er erfindet die Realität nicht neu, aber er weiß das Besondere der jeweiligen Situation darzustellen. Seine Schau kann man bis zum 11. Juli besuchen.
Thomas Duwe (46) ist ein Chronist. Er malt Firmenporträts und Geschichten um Denkmäler. Ein wichtiges Thema sind ihm dabei die niederdeutschen Küsten mit ihren weiten Ufer- und See-Panoramen. Was in den Häfen der Küstenstädte geschieht, was in den Flußläufen an Schiffsleibern liegt, wird akribisch gezeichnet.
Duwe bezeichnet die gemalten Orte genau, sodass der Betrachter seiner Bilder die Realität überprüfen könnte. Freilich sind nur die Themen realistisch, nicht aber die eigentliche Malerei. Die Schau „Augenblicke“ in der Stiftung Burg Kniphausen bei Wilhelmshaven ist noch bis zum 29. Juni zu sehen.
