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Jahnhalle Besucherflaute ein Oktober-Phänomen

FRAGE:

Herr Jaedtke, gehen der Jahnhalle die Besucher aus?

STEFAN JAEDTKE

: Wie kommen Sie da denn drauf?

FRAGE:

Nur 34 Gäste bei Sven Ratzke, jeweils um die 60 bei den Konzerten von Florian Poser und Voodoo Child. Das sieht ein bisschen nach Krise aus.

JAEDTKE

: Der Eindruck täuscht. Wenn man genauer hinsieht, kann man feststellen, dass es immer wieder Perioden mit schwächeren Besucherzahlen gibt. Das ist seltsamerweise in den letzten drei Jahren immer im Oktober passiert.

FRAGE:

Warum ausgerechnet im Oktober?

JAEDTKE

: Eine Erklärung ist, dass Jahreskarteninhaber nicht mehr so häufig zu den Veranstaltungen im Herbst kommen. Außerdem sind im Oktober meistens Herbstferien. Da verreisen viele Leute. Manchmal liegt es auch daran, dass es an bestimmten Wochenenden eine Konkurrenz mit anderen Veranstaltungen gibt. Das traf auch auf das Konzert von Voodoo Child zu. An dem Abend fanden vier Parallel-Veranstaltungen statt.

FRAGE:

Wenn nur 30 Besucher kommen, muss man sich als Programm-Chef doch Sorgen machen, oder?

JAEDTKE

: Nein, nicht unbedingt. Dass wenig Leute kommen, kann auch daran liegen, dass es etwas zu Spezielles ist. Wenn wir feststellen, dass ein Künstler oder ein bestimmtes Genre nichts für Nordenham sind, dann werden diese Engagements nicht wiederholt. Man lernt ja daraus. Gitarrenkonzerte zum Beispiel werden hier schlecht angenommen. Aus dem Grund bieten wir sie nicht mehr an.

FRAGE:

Heißt das, dass wir in der Jahnhalle bald nur noch Mainstream erleben?

JAEDTKE

: Nein. Wir geben immer wieder Künstlern die Chance, Wiederholungstäter zu werden. Die Crux an der Sache ist, dass man oft Lehrgeld zahlen muss, wenn man neue Künstler anbietet. Das beste Beispiel, dafür sind A-capella-Gruppen wie die Buddhas. Da kommen beim ersten Mal 50 oder 60 Leute, und man könnte schon sagen, das machen wir nicht wieder mit denen. Doch beim zweiten Mal funktioniert es meistens. Wenn eine Veranstaltung aber auch beim zweiten Mal nicht den erhofften Zuspruch findet, geht’s eben nicht.

FRAGE:

Sie sind ja schon lange im Geschäft. Wie hat sich im Laufe der Jahre das Konsumverhalten des Nordenhamer Publikums entwickelt?

JAEDTKE

: Der Trend geht ganz klar zu Themen- und Coverbands...

FRAGE:

... wie zuletzt die Jailbreakers, die mit ihrer AC/DC-Show 300 Leute angelockt haben.

JAEDTKE

: Genau. Das werden wir natürlich auch weiterhin anbieten. Aber nicht verstärkt, weil dieser Bereich eine sehr kommerzielle Angelegenheit ist. Viele Privatveranstalter machen das. Wir als kommunales Kulturzentrum haben uns auf die Fahnen geschrieben, auch Nischen-Bereiche zu bedienen. Deswegen setzen wir auf einen Programm-Mix. Wir können und wollen nicht immer das Gleiche machen. Man muss auch den Mut haben, in Nordenham unbekannte Künstler zu bringen.

FRAGE:

Wo bleiben dabei die Bands aus der lokalen Musikszene?

JAEDTKE

: Unser Programm besteht aus drei Säulen: Kabarett, Musik und die Nordenhamer Szene, die für uns eine sehr große Bedeutung hat. Da arbeiten wir verstärkt dran. Das schlägt sich übrigens auch in den vielen neuen Jugendbands nieder, die immer mehr im Kommen sind.

FRAGE:

Dazu passt aber nicht, dass die Reihe „Café im Takt“ eingestellt wurde, die doch gerade für weniger bekannte Künstler gedacht war.

JAEDTKE

: Das lag an dem Termin mitten in der Woche. In einem kleinen Ort wie Nordenham ist das leider nicht mehr machbar. Die Besucherzahlen waren zuletzt zu gering.

FRAGE:

Neben der Jahnhalle gibt es weitere Kulturanbieter in Nordenham. Der Güterschuppen des Theaters Fatale ist als neues Veranstaltungshaus hinzugekommen, und auch in der Brasserie treten neuerdings Künstler auf. Leiden Sie unter dieser Konkurrenz?

JAEDTKE

: Nein. Das ist eine belebende Konkurrenz und eine Ergänzung, die ich gut finde. Man muss allerdings aufpassen, dass die Veranstaltungen nicht zu viel werden. Die Leute können den Euro schließlich nur einmal ausgeben.

FRAGE:

Überschneidungen hat es doch schon gegeben. Findet denn keine Abstimmung der Termine statt?

JAEDTKE

: Es ist schon oft versucht worden, das irgendwie hinzubekommen. Aber das ist schwer umzusetzen.

FRAGE:

Oder sind die Nordenhamer inzwischen kulturell übersättigt?

JAEDTKE

: Insgesamt gibt es mehr Anbieter als früher. Aus Zeit- oder Geldgründen können die Leute nicht alle Angebote wahrnehmen. Da picken sie sich eben die Rosinen raus. Darunter leiden natürlich als erstes die kleineren Veranstaltungen.

FRAGE:

Welche Besucherzahl im Jahr ist Ihr Ziel?

JAEDTKE

: In den letzten Jahren hatten wir einen Schnitt von 150 bis 160 Leuten. Den wollen wir auf alle Fälle halten.

FRAGE:

Wie sieht’s bisher in diesem Jahr aus?

JAEDTKE

: Bisher hatten wir einen Schnitt von 152 Besuchern.

FRAGE:

Dann liegen Sie ja gut im Rennen.

JAEDTKE

: Und es kommen noch einige Veranstaltungen, die bestimmt gut besucht sein werden. Zum Beispiel zweimal Christmas Rock mit Prime Time.

Den größten Zuspruch

bei den bisher 53 Veranstaltungen in diesem Jahr in der Jahnhalle hatte die ausverkaufte ABBA-Review im Januar mit 400 Besuchern. Das Gastspiel von Sven Ratzke im Oktober war mit 34 Gästen der bisherige Negativrekord in 2011.

Ganz oben

in der Hitparade mit den erfolgreichsten Veranstaltungen rangierten im vergangenen Jahr die Queen Kings und Prime Time, die jeweils vor vollem Haus spielten. Schlusslicht war die Gruppe Bock, die nur 29 Getreue anlockte. Insgesamt kamen 11 118 Besucher in 2010 zu den 72 Veranstaltungen. Im Durchschnitt waren das 154 Besucher.

2009

lag der Durchschnittswert bei 139 Besuchern. Auch in dem Jahr war die ABBA-Review der Abräumer. Das andere Ende der Tabelle zierte die Band Moritz rockt schön mit 27 Gästen. Insgesamt waren in dem Jahr 9712 Besucher zu 70 Veranstaltungen gekommen.
Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)
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