Kurzer Rückblick – wie war denn der erste Bremer Tatort mit neuem Team?

Jasna Fritzi BauerIch fand ihn zum Start wirklich sehr gut, wir hatten ja auch gute Quoten – zumal er bedingt durch Pfingsten an einem Montag lief. Aber es ist natürlich immer Luft nach oben (lacht). Die Reaktionen waren anschließend durchaus positiv.

Im neuen Fall ermitteln Sie vor allem als Duo, wie ist denn die Zusammenarbeit zwischen Linda Selb und Liv Moormann?

BauerAlso privat verstehen wir uns sehr sehr gut (lacht)! Im Film sind Moormann und Selb sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Linda Selb arbeitet am liebsten allein, das macht Liv Moormann eigentlich auch gern. Da müssen beiden zusammen einen Weg finden – aber das klappt bereits ganz gut. Ein bisschen Anecken im Team schadet dem „Tatort“ aber auch nicht.

Womit kann „Und immer gewinnt die Nacht“ punkten?

BauerPunkten kann der neue Fall natürlich mit dem Team! Außerdem gibt es – wie beim ersten Fall – wieder mehrere Geschichten, die am Ende zusammenlaufen. Es dauert ein bisschen, bis man als Zuschauer dahinterkommt. Das finde ich persönlich sehr spannend.

Der „Tatort“ ist quasi das Flaggschiff im deutschen Fernsehen – ist es da eine Art Ritterschlag, eine Rolle als Ermittlerin zu bekommen?

BauerIch bin sehr glücklich, dass ich Teil dieser „Tatort“-Familie sein darf. Die Krimi-Reihe gibt es schon seit 50 Jahren – welche deutsche Serie hat das schon geschafft? Zudem finde ich es einfach cool, dass ich mit der Rolle als Kommissarin auch mal etwas ganz anderes machen kann als sonst. Es sind große Fußstapfen, in die man tritt und es ist eine Rolle, die man – hoffentlich – auch über mehrere Jahre spielt.

Hätten Sie denn einen Wunsch, wie sich Ihre Rolle noch entwickeln soll?

BauerEs ist bei diesem Format etwas schwierig, Wünsche zu äußern. Man hat in jeder Folge ein anderes Team: andere Regisseure, andere Drehbuchautoren, andere Kameraleute, und so weiter. Aber – theoretisch – würden wir uns wünschen, da noch etwas mehr mitzuentwickeln.

Sie sind nicht nur als Schauspielerin aktiv, sondern haben unter anderem auch ein Kulturprojekt initiiert. Worum geht es da genau?

BauerEs heißt „Heute schreibe ich Gedichte – Heute schreibe ich Geschichte“, das Projekt habe ich gemeinsam mit Katharina Zorn initiiert. Während des ersten Lockdowns, als alles geschlossen war, haben wir uns überlegt, wie wir Kunst auf die Straße bringen können. Wir schrieben also 50 Freunde und Kollegen an, die uns ein Gedicht schicken sollten. Diese Texte haben wir dann in Frankfurt und Berlin auf Plakatwände angebracht. Mit aufgedruckten QR-Codes konnten sich die Menschen sogar selbst daran beteiligen. 2000 Texte sind damit schon zusammengekommen. Vor Kurzem haben wir im Berliner Hauptbahnhof gemeinsam mit der Deutschen Bahn eine Black Box aufgestellt. Darin konnte man sich in einem 360-Grad-Film ansehen, wie Schauspieler und andere Prominente die Gedichte vorlesen. Und: Kürzlich haben wir sogar einen gemeinnützigen Verein gegründet.

Ursprünglich kommen Sie vom Theater. Ihr Weg zum Film war dann eher Zufall...

BauerJa, ich kam eines Tages zu spät zum Unterricht an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin (lacht). Eigentlich wollte ich gar nicht zum Film, sondern am Theater bleiben. Damals traf ich dann vor der Tür auf eine Casterin. Sie stellte mir an dem Tag eine Regisseurin vor – Pia Marais. Ich bekam eine Rolle in ihrem Film „Im Alter von Ellen“. Und kurze Zeit später kam dann schon die nächste Rolle in „Ein Tick anders“. Ich würde heute auch gern wieder am Theater spielen, allerdings lieber als Gast und nicht im festen Ensemble. Leider sind Film und Theater nicht so leicht vereinbar.

Sie kommen gebürtig aus Wiesbaden und leben in Berlin. Hand aufs Herz – wie gefällt Ihnen Bremen und umzu?

BauerIch finde es super! Auch schon beim ersten Film. Bremen ist eine schöne Stadt – in Bremerhaven hatten wir ja auch gedreht. Die Leute sind auch offener, als ich erwartet hatte.

Tonia Hysky
Tonia Hysky Redaktion Kultur/Medien