JEDDELOH - Zögerlich öffnet Pastor Rainer Eisen die Tür zu seinem Büro im Haus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Jeddeloh (Baptisten). „Es ist momentan etwas unaufgeräumt hier“, entschuldigt er sich.
Seine Verlegenheit ist unbegründet, schließlich steht Rainer Eisen kurz vor einem Umzug. Der 35-Jährige hat sein Vikariat in Jeddeloh beendet und wird ab November eine Stelle in der Gemeinde Meerholz/Gelnhausen bei Frankfurt übernehmen.
Seinen Abschied sieht Eisen mit gemischten Gefühlen. Natürlich freue er sich auf die neue Aufgabe. „Während meiner Ausbildungszeit hier war ich nur halbtags beschäftigt. Jetzt habe ich eine volle Stelle“, sagt er. Außerdem komme es ihm entgegen, seinen Schwerpunkt mehr auf die Jugendarbeit legen zu können.
Als Rainer Eisen so von seinem künftigen Arbeitsplatz erzählt, wird er plötzlich nachdenklich. „Die Herzlichkeit der Leute im Ammerland wird mir schon fehlen“, sagt er wehmütig und packt gedankenversunken einen weiteren Karton zur Seite.
Dabei erinnert er sich noch gut an seine Startschwierigkeiten in Jeddeloh. „Ich war vielleicht etwas übermotiviert und habe den Fokus falsch gelegt“, räumt er selbstkritisch ein. „Hausbesuche waren nie so meine Stärke. Ich habe aber gelernt, dass diese den Menschen in der Gemeinde sehr viel bedeuten und habe das dann beherzigt.“
Auch mit der Mentalität der Leute habe er anfangs so seine Probleme gehabt. „Ich bin direkt aus Berlin nach Jeddeloh gekommen.“, berichtet Eisen. Eine ziemliche Umstellung, wie man sich leicht vorstellen kann. „Ich weiß noch genau, dass ich einmal im Supermarkt an der Kasse stand und nur kurz Besorgungen machen wollte. Die Dame vor mir Plauderte aber noch eine ganze Weile mit der Kassiererin“, erzählt er. „In Sachen Geduld war das Ammerland eine gute Übung für mich.“
Offiziell verlässt Rainer Eisen Jeddeloh erst Ende des Monats, doch schon an diesem Sonntag, 3. Oktober, wird es einen Abschiedsgottesdienst für ihn geben. „Gemeindeleiter Dietmar Kruit ist anschließend verreist und danach habe ich noch ein paar Tage Urlaub. Es ist also die letzte Gelegenheit, alle ein letztes Mal zu versammeln, die mich in den vergangenen Jahren begleitet haben“, sagt Eisen – und erneut mischt sich Wehmut in seine Stimme.
