JEDDELOH I - JEDDELOH I/LR - Zwei Lichtgestalten des europäischen Jazz in der kleinen Baptistenkirche in Jeddeloh: Klaus Ignatzek, Piano, und Florian Poser, Vibraphon und Marimba, hochgerühmt und vielfach ausgezeichnet als Interpreten und für ihre Kompositionen, konzertierten auf Einladung der Edewechter Kunstfreunde ‘mal wieder vor der eigenen Haustür. Das kommt, obwohl die beiden seit 25 Jahren miteinander musizieren, nicht oft vor; meist spielt man in international wechselnden Formationen irgendwo auf der großen weiten Welt. Doch mehr noch als die Seltenheit des Ereignisses war für die heimische Fangemeinde die Art, in der die beiden auftraten, Grund zur Entzückung und Begeisterung: technisch brillant, immer wieder mit aufblitzender diebischer Freude am musikantischen Zusammen-Spiel, wach und intelligent, entrückend entrückt, rasant und poetisch.
Ein Standard zum Auftakt („Have You Met Miss Jones" von Rogers Hart), einer als Zugabe („Peace") von Horace Silver) markierten einen Spannungsbogen, dessen Zenit sich ungefähr auf der Höhe von Florian Posers Komposition „Alone" orten ließ. Aus Tango-Versatzstücken entsteht im intimen Dialog der Instrumente, durch synkopische Verhaltungen und improvisatorische Irritationen vielfach gebrochen, eine Art von widerborstiger Melancholie. Poser, Schüler des legendären Wolfgang Schlüter, eröffnet als Komponist wie als Interpret schwebende Klangräume, die ohne alle Süßlichkeit oder Gewöhnlichkeit auskommen. Um so eindrücklicher gerät ihre Erkundung. Oder war doch Ignatzeks „Polar Lights", das Titelstück der neuen CD, der Knaller des Abends? In perlenden Läufen, subtil und raffiniert, verlässt man da das altbekannte A-B-A-Schema, jagt sich behände, überschlägt sich furios und findet doch wieder auf den Punkt genau zusammen. Das Duo beherrscht diese Dramaturgie jenseits des Jazz: Fast steht
Scarlatti im Raum mit seinen einsätzigen Sonaten.
Es gab Momente, da vergaß man, wo man war, und man konnte selbst mit geöffneten Augen nicht nachvollziehen, welcher Ton zu welchem Instrument gehörte. In diesen Momenten entstanden gleichsam eigene „Über“-Töne, geschaffen nicht mehr von zwei großen eigenständigen Musikerpersönlichkeiten, sondern traumhaft von einem Dritten: dem Duo.
