Oldenburg - Irgendwie hat der elfte Papst Clemens 1708 die Lage in Rom nicht im Griff gehabt. Per Dekret hatte er zur Minderung des sittlichen Niedergangs Theater und Oper verboten. Doch wie das damals schon so war: Subversive Kräfte löckten wider den Stachel. Zwei ihrer findigsten waren der Komponist Georg Friedrich Händel und sein steinreicher Förderer, der Marchese Ruspoli.

„Die haben 1708 in Rom ein pompöses Kunstwerk auf die Bühne gestellt“, berichtet Thomas Bönisch. Eben ein Oratorium, das nicht zwingend unter den Bann fiel: „La Resurrezione“. Am Karfreitag (14. April, 18 Uhr) lassen Staatsorchester, Solistenensemble und kleiner Chor das Auferstehungs-Werk konzertant im Großen Haus lebendig werden. Chordirektor Bönisch dirigiert und sagt: „Es ist klar mehr Oper als Oratorium.“

In der Nacht zu Ostersonntag geht es in der Hölle drunter und drüber. Luzifer stemmt sich gegen den von Gott gesandten Engel, der ihm die unaufhaltsame Auferstehung des gekreuzigten Jesus ankündigt. Wem gehört der Tod, wem die Auferstehung? Den Sieg Gottes muss der Teufel anerkennen. „Es gibt im zweiten Teil in der Musik unglaublich viele Sonnenaufgänge, ganz illustrativ“, erläutert Bönisch.

Händel, damals 23, zeigt sich als junger Wilder. Beim Instrumentarium hat er voll zulangt. Zu den Streichern treten Flöten, Oboen (die ungewöhnlich sogar gestopft gespielt werden), Trompeten, eine Posaune. Kühne Harmonien lässt er aufeinanderprallen. In niederrasenden Sechzehnteln stößt der Habicht auf die Turteltaube hinab. Und wenn „das schwere Schiff in den Wogen zu scheitern droht“, schüttelt sich selbst der Dirigent. Mit Grund: „Es heißt ja weiter, dass sogar der Steuermann in Gefahr gerät, durcheinander zu kommen.“

Keine Sorge: Bönisch wird den Kurs halten. Über viele Jahre hat er mit einer engagierten und spezialisierten Musikergruppe eine affektreiche barocke Spielweise erarbeitet. Auch die Sänger sind in den wirbeligsten Koloraturen stets zu großem menschlichem Ausdruck fähig. Im Einsatz sind Alexandra Scherrmann (Engel), Sarah Tuttle (Maria Magdalena), Yulia Sokolik (Maria des Kleophas), Philipp Kapeller (Johannes) und Tomasz Wija (Luzifer).

Auch mit modernem Instrumentarium wird am Karfreitag die Musik ihre gefühlsbeladene Sprache entfalten. Die Bläser können knattern, die tiefen Streicher knarzen, die hohen Streicher beseelt singen. Händel ist seit dem „Saul“ von 2010 bis zur aktuellen „Agrippina“ am Staatstheater einfach ein Renner.