Filsum - Stuten, Hündinnen und junge Frauen sprach er stets mit „Schätzelein“ an. Tamme Hanken hatte immer einen lockeren Spruch auf Lager. Als der ostfriesische Tierheiler am 10. Oktober mit nur 56 Jahren an Herzversagen starb, trauerten Fans in ganz Deutschland. Seit 2008 hatten ihn Millionen TV-Zuschauer als „XXL-Ostfriese“ und „Knochenbrecher“ im Fernsehen verfolgt.
„Nach Tammes Tod habe ich Wäschekörbe voll mit sehr persönlichen Beileidsbekundungen und schönen Gedichten bekommen“, erzählt seine Witwe Carmen Hanken. Auf dem Hof des Paares im ostfriesischen Filsum liegt immer noch ein Kondolenzbuch.
Böseler trauert um XXL-Ostfriesen: „Tamme war mein allerbester Freund“
Nach dem Tod von Tamme Hanken teilten auch Tausende Fans aus der Region ihre Trauer im sozialen Netzwerk Facebook. Denn: Tamme Hanken hatte eine ganz besondere Beziehung ins Oldenburger Land. Sein bester Freund, Peter Gorke, kommt aus Bösel.
Im Gespräch mit der NWZ erinnerte sich Gorke an bewegende Momente mit seinem Freund Tamme. Etwa, wie die Männer kurz vor Hankens Tod noch gemeinsam in der Wesermarsch unterwegs waren, Pferde gucken. So, wie sie es öfter gemacht haben. Gemeinsam standen Peter Gorke und Tamme Hanken auch vor der Kamera.
Jetzt will Hankens Frau Carmen mit Neuigkeiten vom Hankenhof im Fernsehen durchstarten. Die Reitlehrerin und Pferdetrainerin kehrt von Dienstag an in einer neuen sechsteiligen Serie mit dem Titel „Neues vom Hankenhof – Tamme forever“ (Kabel eins, 20.15 bis 22.15 Uhr) auf den Bildschirm zurück.
Als sie nach dem Tod ihres Mannes von dem Sender angesprochen worden sei, habe sie sich erst Bedenkzeit erbeten, sagt die 57-Jährige. Dann habe sie gedacht: „Vielleicht hilft es mir bei der Trauerarbeit.“
Außerdem gibt es einen existenziellen Grund: „Es ist mein Anliegen, den Hankenhof in der jetzigen Form zu erhalten als Botschafterin von Tamme. Ich möchte dafür sorgen, dass das, was hier jahrelang für die Gesundheit der Tiere stattgefunden hat, weiterhin stattfinden kann“, sagt die gebürtige Rheinländerin.
Tamme Hanken hatte die Heilkunst von seinem Großvater gelernt. Der 2,06 Meter große Riese mit den sanften Händen ertastete selbst bei Schoßhündchen feinste Nerven und löste Verspannungen. Zu den sogenannten „Kummertagen“ kamen Tierbesitzer von weit her. Diese will Carmen Hanken irgendwann wieder anbieten, aktuell macht sie diverse Fortbildungen, um das Lösen von Blockaden zu lernen.
Damit der Hof mit Pferde-Reha und eigener Zucht wirtschaftlich bleibt, hat Carmen Hanken inzwischen 20 der 50 Pferde verkauft. Die neue Kabel-eins-Serie startet mit einer Pferde-Präsentation vier Wochen nach dem Tod des „XXL-Ostfriesen“. Alle stehen noch unter Schock, aber die Arbeit muss weitergehen. Die Doku wird in Rückblenden erzählt. Gezeigt wird, wie Tamme Hanken auf seinem Hof eine lahme Stute behandelt und in Hollywood einen Königspudel von seiner Steifheit befreit. „Tamme hat unzähligen Tieren und Menschen geholfen. Die Art, wie mein Mann gearbeitet hat, ist unersetzlich. Das wird keiner fortführen“, betont die Witwe.
Gemeinsam mit Mitarbeiterin Becky reist Carmen Hanken in „Neues vom Hankenhof“ auf den Spuren ihres Mannes durch die USA. „Nun habe ich die Menschen und Tiere getroffen, denen er damals geholfen hat. Da waren sehr emotionale Momente dabei“, sagt sie. Die Frau des Pferdeflüsterers wirkt, als habe sie ihre Gefühle meist im Griff. Doch als sie wie Tamme in Florida eine Schildkröten-Patenschaft übernimmt, versagt die Stimme.
2016 war für die 57-Jährige ein schlimmes Jahr, auch ihre Mutter starb, am Silvestermorgen hatte sie einen Autounfall, der glücklicherweise glimpflich ausging. Nach dem Tod ihres Mannes habe sie vor allem in der Natur Kraft geschöpft, sagt Carmen Hanken. Jetzt versuche sie, positiv zu denken. „Am Anfang konnte ich die Filme mit meinem Mann nicht gucken. Aber jetzt schaue ich sie mir an und finde dort wertvolle Tipps.“
Lesen Sie hier, wie bewegend sich der Böseler Peter Gorke von seinem besten Freund Tamme Hanken verabschiedet hat.
