JEVER - Wenn der November zu Ende geht und der Advent vor der Tür steht, dann beginnt für den jeverschen Weihnachtsmann die anstrengendste Zeit des Jahres: Dann heißt es für ihn Stiefel putzen, Bart kämmen, den roten Weihnachtsmannrock bürsten und den großen Sack vom Schrank herunterholen – denn sobald der Weihnachtsmarkt auf dem Alten Markt seine Tor öffnet, ist auch der Weihnachtsmann gefragt.
Jeden Tag bis Heiligabend ist er dann unterwegs, um die Kinder in der Marienstadt mit kleinen Gaben zu erfreuen. „Dann habe ich viel zu tun, da gilt es, die Nerven zu behalten“, sagt er.
Am liebsten hat er die kleineren Kinder, die, noch etwas schüchtern, mit leuchtenden Augen zu ihm aufblicken, ihm ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen. „Dann wird es für mich richtig Weihnachten“, sagt der Weihnachtsmann. „Den größeren Kindern fehlt heute leider der Respekt: Sie schubsen und drängeln, um in meinen Geschenke-Sack greifen zu können, oder zupfen gar an meinem Bart – dann hilft nichts als Strenge“, erzählt er.
Umso mehr freut er sich, wenn die Kinder ihm ein Gedicht auf Plattdeutsch aufsagen: „Besonders gefällt mir das Gedicht ,Leew good Wiehnachtsmann‘“, erzählt er: „Ich stelle immer wieder fest, dass heute viele Kinder zweisprachig, also platt- und hochdeutsch aufwachsen – das gefällt mir. Vor allem, nachdem das Plattdeutsche lange als nicht so schick galt“, sagt der Weihnachtsmann.
Was Jevers Weihnachtsmann gar nicht gut heißen kann, ist, dass die Kinder in der Weihnachtszeit so sehr mit Süßigkeiten vollgestopft werden: „In meinem Gaben-Sack habe ich deshalb eher Kleinigkeiten wie Lesezeichen oder Stempel – davon haben die Kinder viel mehr als von Schokolade.“
Das weiß er, weil er selbst mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist. In der Familie war das Geld knapp. „Deshalb gab es bei uns nie viel zu Weihnachten – aber wir haben uns immer sehr gefreut“, erzählt der Weihnachtsmann. Er kann sich auch noch gut daran erinnern, wie es war, wenn der Weihnachtsmann zu ihnen kam: „Wir Kinder waren sehr beeindruckt, ein bisschen ängstlich und sehr glücklich – wenn ich heute Kinder treffe, die sich über mich freuen, bin ich auch glücklich.“ Übrigens kommt zum Weihnachtsmann an Weihnachten selbst der Weihnachtsmann nach Hause: „Ich bin gespannt, wie mein kleiner Sohn auf ihn reagiert.“
Und weil auch der jeversche Weihnachtsmann nur ein Mensch ist, passieren ihm ab und zu Fehler: Zum Beispiel, als er bei der Märchenstunde in der Stadtbibliothek den Kindern erzählte, er habe seinen Rentierschlitten auf dem Weihnachtsmarkt stehen lassen. „Natürlich waren die Kinder sehr enttäuscht, als sie meinen Schlitten dort nirgends entdecken konnten – seitdem parke ich ihn nur noch auf dem Schafhof Herten in Sandel“, erzählt er und schmunzelt.
Früher, zu Großmutters Zeiten, teilte sich im Jeverland übrigens der Weihnachtsmann mit dem Nikolaus das Geschenke bringen. „Wir nannten ihn den Sünnerklaas“, erzählt Johann Rose, der in Tannhausen im Wangerland aufgewachsen ist und heute in Schortens lebt.
Der 93-Jährige kann sich auch noch gut an das Gedicht erinnern, das er dann aufsagte: „Sünnerklass Du gode Blood, bring mi ’n Tuut vull Zuckergood, nich to veel un nich to minn, schmiet mi d’ to d’ Schösteen rin.“
