Jever - „Frauenstimmen im Evangelischen Gesangbuch“: Das ist Thema der neuen „Akademie am Vormittag“, die am 24. Februar in Jever startet. Im Mittelpunkt stehen Lieder, die von Frauen getextet wurden.

Rund 30 Lieder im aktuellen Gesangbuch stammen von Frauen. Im alten Gesangbuch von 1953 waren es nur drei. Der Grund: Frauen durften in der Regel nichts veröffentlichen. Die erste christliche Lyrikerin, die im heutigen Gesangbuch namentlich zu finden ist, war Elisabeth Cruciger. Sie zählte zu Martin Luthers familiärem Umfeld und war eine gute Freundin von Katharina von Bora.

Die Themen der Akademie am Vormittag

24. Februar: Pastorin Petra Czeppat befasst sich mit Liedern der Klosterfrauen und der Nachreformation. Darunter sind Lieder vom Ende des 14. Jahrhunderts aus dem Kloster Maria Medingen, von Elisabeth Cruciger, einer Zeitgenossin Martin Luthers, und von Christiana Cunrad vom Beginn des 17. Jahrhunderts.

2. März: Die Heppenser Pastorin Meike von Fintel beschreibt „mystische Lieder“ – „Das Jahr geht still zu Ende“ von Elenore Fürstin Reus, „Bis hierher hat mich Gott gebracht“ von Ämilie Julianna von Schwarzenburg-Rudolstadt und „Die ganze Welt hast du uns überlassen“ von Christa Weiss.

9. März: Synodenpräsidentin Sabine Blütchen spricht über Autorinnen des 20. Jahrhunderts – die Lieder „Morgenlicht leuchtet“ von Eleanor Farjeon und „Wir sagen euch an“ von Maria Ferschel.

16. März: Lieder der Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert interpretiert Pastor Kai Wessels – „So nimm denn meine Hände“ von Julie Hausmann, „Die Kirche steht gegründet“ von Anna Thekla von Weling und „Brich herein, süßer Schein“ von Marie Schmalenbach.

23. März: Die Lieder „Dank sei dir Vater“ von Maria Luise Thurmair und „Ich will zu meinem Vater gehen“ von Lotte Denkhaus stellt Pastor Thorsten Harland als Lieder aus den 70er Jahren vor.

30. März: Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser behandelt „Herr mach uns stark“ von Anna Martina Gottschick und „Unfriede herrscht auf der Erde“ von Zofia Jasnota als zeitgenössische Stücke.

Die „Akademie am Vormittag“ beginnt immer montags um 9.30 Uhr im Gemeindehaus am Kirchplatz. Die Teilnahme ist kostenlos, um eine Spende wird gebeten. Infos und Anmeldung bei der Ev. Familien-Bildungsstätte, Tel. 04421/ 32 016.

Ihr Lied „Herr Christ, der einig Gotts Sohn“ brachte ihr von ihrem Ehemann das gönnerhafte Lob „so, als hatte es ein Mann geschrieben“ – und schließlich eine Veröffentlichung unter seinem Namen. Das legt nahe, dass allerhand weibliche Handschrift bei der reformatorischen Neugestaltung der Liederlandschaft im Spiel war.

Noch älter sind die textlichen Spuren der Ordensfrauen aus dem Kloster Maria Medingen, die jedoch nicht namentlich zugeordnet werden können.

Die Reihe der Akademie am Vormittag macht sich auf die Spur weiblicher Liedtexterinnen im Gesangbuch und verfolgt ihren Weg durch die Jahrhunderte. Dabei geht es immer auch um die Entstehung der Lieder im biografischen Kontext. Denn offensichtlich dichten Frauen anders als Männer, oft kommen ihre Texte mehr von Herzen, sind zartfühlender und einfühlsamer.