JEVER - „Jeder, der zuhört, wird selbst Zeuge sein.“ Diesen Satz hat der amerikanische Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel den Spiegel-Mitarbeitern Monika Zucht und Dr. Martin Doerry mitgegeben. Die Fotografin und der stv. Chefredakteur waren ein Jahr lang in Europa und den USA unterwegs, um Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden in Wort und Bild festzuhalten.

Entstanden sind daraus im Jahr 2006 das Buch „Nirgendwo und überall zu Haus“ und eine Ausstellung mit Porträts und Texten der Zeitzeugen. Neben Elie Wiesel gehören die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Ruth Klüger, der Journalist und Regisseur Ralph Giordano, der ungarische Schriftsteller Imre Kertesz, die israelische Schriftstellerin Inge Deutschkron, der Politikwissenschaftler Alfred Grosser und Galerist Heinz Berggruen zu den Befragten.

„Es sind die letzten Zeitzeugen, die uns aus erster Hand erzählen können, was damals geschah“, sagt Monika Zucht. „Wir können nicht mehr lange hinhören“, mahnt sie. Monika Zucht stammt aus Jever, ist die Tochter des Fotografen Wilfried Zucht – das Fotohandwerk lernte sie zu Hause.

Zu sehen war die Fotoausstellung bereits in Berlin, Hamburg, München, Prag, Rendsburg und Stuttgart. Jetzt bleibt sie bis zum 29. März in Jever. Dafür sorgte die aus Jever stammende ehemalige Spiegel-Redakteurin Mareike Spieß-Hohnholtz.

Eröffnet wird die Ausstellung am Holocaust-Gedenktag, Dienstag, 27. Januar, um 18 Uhr. Zur Eröffnung reist auch Doerry an und wird eine besondere Zeitzeugin befragen: Renate Bechar, geborene Crohn, aus Tel Aviv, die von 1945 bis zur Auswanderung nach Israel 1949 in Heidmühle gelebt und das Mariengymnasium besucht hat. Sie und ihre Mutter Susanne Crohn haben das Lager Theresienstadt überlebt – ihr Vater Kurt Crohn, letzter Leiter des jüdischen Waisenhauses in Berlin-Pankow, wurde in Auschwitz ermordet. Zuvor hatte er 1938 dafür gesorgt, dass seine Schützlinge nach Israel ausreisen konnten.

„Renate Bechar steht auch als Beispiel dafür, dass viele der Interviewten Beziehungen in unsere Region hatten“, sagt Volker Landig von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft: Bis zur Judenverfolgung im Dritten Reich hatte das Jeverland einen hohen Anteil jüdischer Mitbürger.