JEVER - Beide Fotografen haben lange für die NWZ gearbeitet. Ihr Nachlass umfasst 130 000 Bilder. Eine Auswahl ist bis Ende Oktober im Schloss zu sehen.
von marina schünemann
JEVER - Zeitungsfotos sind Hingucker für einen Tag. Wie sehr sie im Laufe der Jahrzehnte die Geschichte und den Wandel einer Region widerspiegeln, zeigt die Ausstellung „Milchkannen, Sturmfluten, Jubiläen – Fotojournalismus im ländlichen Raum“, die derzeit im Schlossmuseum Jever zu sehen ist.Gezeigt wird eine sorgfältige Auswahl aus den Nachlässen der Fotografen Franz Tuhy und Wilfried Zucht, die beide auch lange für die NWZ gearbeitet haben.
Der Kurator der Ausstellung, Meinrad Welker, sichtete im Rahmen des Projekts Musealog ein halbes Jahr lang die Nachlässe beider Fotografen, die jahrzehntelang für den „Jeverland-Boten“ der NWZ und andere Zeitungen zwischen Wangeooge und Wilhelmshaven unterwegs waren. 130 000 Bilder sind erhalten geblieben.
Franz Tuhy, 1919 in der damaligen Tschechoslowakei geboren, erlernte in Prag die Fotografie und wurde Meister. Er arbeitete anschließend als Laborleiter in Chemnitz und siedelte sich 1942 in Oldenburg an, wo er als Theaterfotograf und seit Anfang der 50er Jahre für die NWZ Aufträge annahm.
Nach dem Umzug nach Hohenkirchen eröffnete er ein Fotogeschäft und war für die NWZ -Lokalredaktion auf Achse.
Seine Aufnahme von der brennenden jeverschen Stadtkirche 1959 und seine Fotos von der Sturmflut 1962 machten ihn weit über die Region hinaus bekannt. Aber auch seine Landschaftsaufnahmen und Alltagsszenen sind bis heute unvergessen.
Nach seinem Tod 1992 kamen rund 10 000 Aufnahmen in die Obhut des Schlossmuseums.
Wilfried Zucht kam 1921 in Bohlenbergerfeld zur Welt. Der gelernte Maschinenbauer sattelte nach dem Krieg um, erlernte das Metier des Fotografen mit Meisterbrief und betrieb bis Anfang der 70er Jahre ein Fotogeschäft am Kirchplatz in Jever. Anschließend war er bis zu seinem Tod 1995 für die NWZ tätig und machte zudem Luftbildaufnahmen. Sein Nachlass umfasst 120 000 Fotos.
Mit dem Blick des Fotografen bannten beide Ausschnitte des alltäglichen und festtäglichen Lebens auf die Negative. Neben Spektakulärem wird in dieser Ausstellung auch der Wandel einer Region deutlich, die sich allmählich von einem landwirtschaftlich geprägten Gebiet zur Touristenhochburg entwickelt hat.
Neben windgebeugten Alleebäumen und der kargen Schönheit der Küstenlandschaft hat Franz Tuhy Gebräuche wie das Gesellensingen, das Besenwerfen und das Maibaumsetzen festgehalten. Ein anderer Schwerpunkt der Ausstellung verweist auf die Arbeitsbedingungen des Bildjournalismus, auf die Arbeit im Fotolabor und auf den Termindruck im Berufsalltag.
Parallel zu der Ausstellung wird im Angedenken an den kürzlich verstorbenen Landschaftsfotografen Fritz Siedel eine kleine Präsentation seiner Fotos im Café im Eulenturm gezeigt.
