Jever - Die Museumspädagogik im Schlossmuseum ist um einiges reicher geworden: Wo vorher „unterm Dach“ die Bibliothek war, finden sich nun Forscherwerkstatt und Geschichtsatelier, ein Spiel- und Kinderzimmer, ein historischer Kaufmannsladen und ein Esszimmer der gehobeneren Art.

leichte Sprache – was ist das?

Leichte Sprache verwendet kurze Sätze, einfache Wörter, verzichtet auf Genitiv und Konjunktiv und nutzt Bilder. Sie ist für Menschen gedacht, die „schwere Sprache“ nicht lesen und verstehen können, zum Beispiel Menschen mit Behinderung, mit Lern-Schwierigkeiten, mit Demenz, Menschen, die nicht Deutsch sprechen und nicht gut lesen können.

Beispiele: einfache Wörter: erlauben statt genehmigen; Bus und Bahn statt Öffentlicher Nahverkehr.  keine Abkürzungen: das heißt statt d.h.; und so weiter statt usw. aber: Abkürzungen wie WC, Lkw, ICE sind so gebräuchlich, dass sie auch in der Leichten Sprache verständlich sind. Verben und aktive Sprache statt Substantive: Nicht „Morgen ist Bürgermeisterwahl“ sondern „Morgen wählen die Bürger (wir) den neuen Bürgermeister“.

„Wir haben viele Familien und Gruppen zu Besuch. Über die Einrichtung der Räume kommt man ins Gespräch und sie können auch als Rückzugsort dienen“, erklärt Museumsleiterin Prof. Dr. Antje Sander die Idee: „Der Raum und seine Atmosphäre sprechen für sich, sind verständlich oder werfen neue Fragen auf, über die sich die Besucher schließlich austauschen können. Antworten finden sie dann auch auf den Infotafeln oder in Broschüren“, erklärt sie.

Museumspädagogin Anja Marrack hat die neuen Räume mit jeweils eigenem, unvergleichlichen Charakter eingerichtet. Dabei wurde sie nicht nur in der Gestaltung der neuen Räume kreativ, sondern auch im Kleinen: Sie hat altbekannte Spiele wie „Mensch ärgere Dich nicht“ oder „Dame“ für das Spiel- und Kinderzimmer neu aufgelegt und einen Bezug zum Schlossmuseum hergestellt. So können nun „Häuptling ärgere Dich nicht“ oder „Maria in der Zwick-Mühle“ gespielt werden.

Aber nicht nur das ist neu im Schlossmuseum. „Wir wollen ein offenes Haus sein, verständlich für alle, die es besuchen“, sagt Anja Marrack: Deshalb spielt dort „leichte Sprache“ nun eine große Rolle.

Das Projekt „Leichte Sprache“ hat die Museumsmitarbeiter zwei Jahre gut beschäftigt. „Dabei zeigte sich schon bei der ersten Führung mit der Prüfergruppe, dass einfache Sprache nicht gleichzusetzen ist mit leichter Sprache. Ich bin sehr froh, dass das Büro für Leichte Sprache in Wilhelmshaven noch einmal einen geschulten Blick darüber geworfen und Korrekturen vorgegeben hat“, sagt Anja Marrack. Entstanden ist eine mehrseitige Schlossbesucherbroschüre in leicht verständlicher Sprache.

Die Prüfergruppe setzt sich zusammen aus Menschen mit Lernschwierigkeiten und wurde vom Büro für Leichte Sprache Wilhelmshaven entsandt. Das ist ein Projekt der Gemeinnützigen Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit (GPS).

Marrack: „Wir sollten eine langsame Überleitung von Sehen, Verstehen und Selbermachen herstellen – das war die Aufgabe und Herausforderung.“ So können in einem der Räume „Pop-Up“- beziehungsweise – weil leichter verständlich – „Aufklapp-Bücher“ gebastelt werden. Wer mag, kann sich im Atelier und Werkstattbereich künstlerisch ausleben. Das Angebot richtet sich dabei nicht nur an Menschen mit Behinderung, sondern auch an Senioren, Kinder und Jugendliche.

Antje Sander ist stolz auf die Arbeit ihrer Kollegin Anja Marrack: „Sie war mit Herzblut dabei und hat etwas in Bewegung gesetzt, was für mich eins der schönsten Weihnachtsgeschenke ist. Damit können wir nächstes Jahr wirklich viel bewirken.“

Möglich gemacht haben die neuen Räume und die Broschüre die Oldenburgische Landschaft, der Landkreis, die Hille- und Gerd Frerischs-Stiftung sowie W.-Peter Jüttner.

Die Schlossbesucherbroschüre „Leichte Sprache“ wird ab Januar ausliegen und auch online verfügbar sein. Die neuen Räume unterm Dach laden Besucher schon jetzt zum Erkunden ein.