Jever - Solch eine Ouvertüre hatte das Ensemble um Ivo Berkenbusch noch nie: Zuerst das Anschlagen der Uhren zur 18. Stunde, danach das Läuten der Glocken der evangelischen und katholischen Kirche – und all dem schloss sich dann vollendend das Glockenspiel am „Hof von Oldenburg“ an. Paul Brady begleitete des Glockenspiel mit komödiantischer Gestik auf einem Trinkglas. Im zweiten Teil des Konzerts bewies das kreischende Einfliegen der Saatkrähen, was Jever sonst noch außer Kunst, Sage und Geschichte zu bieten hat.
Schöner Gala-Abend
Die Ankündigung von Bürgermeister Jan Edo Albers, kulturelle Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Musik zu fördern, erhält mit „Grünes Licht für Jever“ in der Corona-Zeit eine besondere Wertschätzung. Jevers Traumkulisse, das Schloss, war ideal für die spätsommerliche „Familien-Klassik-Gala“. Besucher, die sich bisher nicht so mit klassischer Musik auseinandergesetzt haben, hatten ihre Freude an der Musik gesungener Emotionen und einigen Schauspielszenen.
Bariton Ivo Berkenbusch mit Sopranistin Martyna Cymerman und Kammersänger Paul Brady vom Staatstheater begeisterten mit populären Titeln aus so berühmten Opern wie Mozarts ‚Don Giovanni‘, Rossinis ‚Barbier von Sevilla‘, Puccinis ‚La Bohème‘ oder Johann Strauss‘ ‚Fledermaus‘ Die „unsterblichen Melodien“ Granada‚ Tango Italiano oder der populäre Klassiker ‚Quando quando‘ fehlten nicht im Programm. Als vierter im Quartett verzauberte Carlos Vázquez (Staatstheater Hannover) sein dankbares Publikum am Flügel mit seinem temperamentvollen pianistischen Zugriff als Solo oder begleitend.
Faszinierend, so einige Zuhörer, wie aus einer so „zierlichen Person“ wie der Sopranistin Martyna Cymerman eine so gewaltige Stimme heraus kommen kann. Dieses Programm mit hochkarätiger Besetzung hätte in der Kulturstadt Jever mehr Zuhörer verdient, wenn auch die kühlen Temperaturen vielleicht den spontanen Besuch verhinderten.
Abschluss der Reihe
Mit der Familien-Klassik-Gala ist die von der Stadt Jever organisierte Open-Air-Konzert-Reihe „Grünes Licht für Jever“ zu Ende gegangen. „Es war ein würdiger Abschluss, der bei den Zuschauern gut ankam“, freut sich Bürgermeister Jan Edo Albers. Das Konzert fand zum 520. Geburtstag von Fräulein Maria – auch als Ausgleich für das ausgefallene Familienfest des Schlosses – statt.
