JEVER - Er ist nicht zum ersten Mal im Audienzsaal des Schlosses, im Gegenteil: in vielen Konzerten hat sich der Pianist aus Aichhalden-Rötenberg in Jever eine treue Fangemeinde aufgebaut. Es mag am erlesenen Ambiente des jeverschen Schlosses liegen oder an der Treue seines Publikums – es zieht Heiner Costabel regelmäßig in den friesischen Norden.

Auch sein Publikum hält ihm die Treue. Das mag an seiner Art liegen, ein Konzert zu geben. Er erzählt fast genau so lange wie er spielt und nimmt damit die Zuhörer mit in die Welt großer Komponisten und Musiker. Drei große Komponisten des 19. Jahrhunderts stellt er vor: Franz Schubert, Ludwig van Beethoven und Frederik Chopin.

Schubert z. B. hält er für lange unterschätzt: „Wenn man seine Lieder hört, glaubt man, es seien Volkslieder. Mit weichen Tonarten erzielt er eine große Strahlkraft.“ Und er belegt es mit einem Stück aus der „Winterreise“.

Anders sieht er Beethoven. Ruppig und kraftvoll sei der Bonner gewesen, häufig schroff reagierend, als er schon in jungen Jahren taub wurde. Einer adligen Schülerin soll er gesagt haben: „Die Pfoten eines Bernhardiners sind begabter als Ihre.“ Eine Audienz bei der englischen Königin lehnte er mit den Worten ab, für derlei Kinkerlitzchen habe er keine Zeit. Mit der „Mondscheinsonate“ beweist Costabel: Beethoven war doch ein Genie.

Chopin ist für ihn die ideale Synthese zwischen slawischer Seele und Virtuosität. Er lässt es sich nicht nehmen, in diesem Zusammenhang die Schriftstellerin George Sand, die zeitweise mit Chopin in enger Beziehung stand, als erste emanzipierte Frau zu würdigen. Natürlich belegt er alles mit der Musik Chopins.

Besonders eine musikalische Karikatur eines Walzers sorgt für Vergnügen und gibt Costabel Gelegenheit zu einem Seitenhieb auf den Geiger Andre Rieu: „Da kommt einer aus dem Ausland daher und spielt das, was deutsche Kurorchester seit 100 Jahren gespielt haben.“

Die Verbindung von charmant informativem Plaudern und meisterhaft sensiblem Klavierspiel funktioniert offensichtlich gut. Das Publikum dankt Costabel mit begeistertem Beifall.