JEVER - JEVER - Bremsen kreischen, die Räder eines Lasters blockieren und der Wagen eines jungen Liebespaares prallt gegen einen Baum. Aktion und Tempo bestimmen von Anfang an die Story des neuen Thrillers „Das Amulett des Toten“ von Maeve Carels, der jetzt erschienen ist (Rororo, 7,90 Euro).

Nach Psychothrillern wie „Hot Line“ und „Raphaels Frauen“, die für einen Preis nominiert wurden, startete die gebürtige Jeveranerin im vergangenen Jahr mit „Wintereinbruch“ eine neue Krimi-Reihe mit der Figur des Kriminaloberkommissars Johannes Papinga, den sie mit „Das Amulett des Toten“ fortsetzt. Wie schon in „Wintereinbruch“ ist Jever mit seinen Gassen, der Polizeistation, der Buchhandlung und dem Gymnasium der Ort des Geschehens, in dem sich Leidenschaften im Mord ausleben.

Weit entfernt von der heldenhaften Detektivfigur eines Sherlock Holmes, ist Papinga ein Mann mit Fehlern und Schwächen, ein Umschwärmter, der die Frauen fürchtet, der an seiner lieblosen Kindheit im Heim, an seiner Zeit als junger Stricher und einem sexuellen Missbrauch leidet. Er ist sensibel und lebt seine Gefühle aus, indem er als John Percival in einer Tap-Dance-Truppe tanzt.

Nach der Probe für Shakespeares „Romeo und Julia“ kommt er an der Unfallstelle vorbei und reißt sich nicht gerade um den Fall, zumal mit dem Fund eines Amuletts das zu den Akten gelegte Verschwinden des Außenseiters Wachtenbrink wieder aufgerollt werden muss. Parallel zur Tragödie Shakespeares über die verfeindeten Familien Montague und Capulet und der hoffnungslosen Liebe von Romeo und Julia entwickelt sich die Geschichte weiter, taucht Papinga ein in das Leben der Familien Gramme und Strockholt, die die Tochter und den Sohn bei dem Unfall verloren haben.

Wie Holmes auf Watson kann sich Papinga auf seinen Vertrauten und Mittänzer, den Pfarrer Max Bodenstedt, bei der Recherche verlassen. Gilt es auf der Bühne in der Rolle des Romeo und Mercatio dem Hitzkopf Tybalt Einhalt zu gebieten, so gilt es in der Wirklichkeit, den grausamen Mord an dem hochintelligenten „Dorftrottel“ Wachtenbrink aufzuklären und den Mörder zu fassen.

Angeregt durch die „Lady of Crime“, Patricia Highsmith, und in Kombination mit den aktionsreichen amerikanischen Krimis, versteht es die 49-jährige Autorin, die nach zwei Jahrzehnten in Düsseldorf wieder in ihre Heimat zurückgekehrt ist, die Spannung zu halten bis zum verblüffenden Ende.