JEVER - Die Recherche für einen neuen Krimi, der im Theatermilieu spielt, hatte für die jeversche Autorin Maeve Carels ungeahnte Folgen: Begeistert von der Aufnahme durch das Jever-Art-Ensemble und der Arbeit vor und hinter den Kulissen, spannte Ensembleleiter Jacky Rieling sie kurzerhand ein in das Weihnachtsmärchen „Bremer Stadtmusikanten“. Vielleicht wird sie in einigen Jahren die Leitung der Laienspielgruppe übernehmen. Sicher ist jedoch, dass Maeve Carels 2009 die literarische und schriftstellerische Sparte des Künstlerforums wiederbeleben wird.

Mit einer Lesung, deren Erlös dem Lokschuppen zugute kommt, bedankte sie sich Dienstagabend für die vielfältigen Erfahrungen. „Eine lebenslange Reise“ hatte die Krimiautorin ihre Lesung betitelt als Hommage an die neuseeländische Autorin Janet Frame, die sie wie William Faulkner und Patricia Highsmith zur eigenen psychologischen Zeichnung von Figuren inspiriert haben.

Auszüge aus Janet Frames Roman „Ein Engel an meiner Tafel“ und die Überzeugung, „erst wenn man schreibt, schreibt man sich ins Leben hinein“, spiegelten den eigenen Werdegang wider. Äußerst begabt, scheitert das schüchterne Vorbild als Lehrerin und kehrt der Schule den Rücken. Sie arbeitet als Tellerwäscherin oder Kellnerin und will nur eines – in Ruhe gelassen werden und schreiben.

Maeve Carels lernte in Jever Journalistin, zog nach Düsseldorf, wo sie „eigentlich studieren wollte“, stattdessen aber Kriminalgeschichten schrieb. Sie brach das Studium ab und finanzierte sich bis zum Erfolg ihres Debütromans „Arnies Welt“ mit Jobs als Briefträgerin, Schreibkraft, Fließbandarbeiterin und Wahrsagerin. Wie Janet Frame gewann Maeve Carels Anerkennung durch Können und Durchhaltevermögen.

Mit der Verfilmung ihres Erstlings durch Sönke Wortmann, der dafür den Grimme-Preis erhielt, gelang der Durchbruch: Sechs Millionen Zuschauer sahen den Krimi. In Anbetracht ihrer Verdienste erhielt Maeve Carels im vergangenen Jahr die Schlosser-Medaille der Stadt Jever.

Da ist allerdings ein Wermutstropfen: „Heute wie damals sind Schriftsteller arme Leute.“ Als Beispiel zitierte sie William Faulkner mit einer bitterbösen Geschichte über die Rache der Armen. Pointiert und gespickt mit ironischen Anspielungen las sie anschließend Auszüge aus ihrem Krimi „Zur ewigen Erinnerung“ und beschloss die Lesung mit ihrer Kurzgeschichte „Mein Freund Herb“. In wenigen Sätzen wird hier die Kindheit in Jever während der 60er Jahre lebendig. Der Blick des Ich-Erzählers als Freund Herbs ist kindlich, zugleich sezierend in der Analyse und von rabenschwarzer Ironie.

Der Dank des Publikums war der Autorin am Ende gewiss. Wie gut es bei dieser Recherche auch menschlich geklappt hat, bewies Jacky Rieling, der sie gern in einer Rolle auf der Bühne sähe. Ihre Reaktion darauf bestand in dem verzweifelten Ausruf: „Wo ist hier bitte der Notausgang?“