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Lokalgeschichte Schatz wieder nach Jever gebracht

Rahel Arnold

JEVER - Im Jahr 1850 sorgte der Fund des sogenannten „römischen Münzschatzes von Jever“ für Euphorie und weckte großes Interesse an der Regionalgeschichte. Die Münzen, darunter gut erhaltene Denare, wurden bei Bauarbeiten in Jever entdeckt. Nach dem Fund gründete sich in Jever ein erster Geschichtsverein.

Der „Münzschatz“ wird ab dem 4. März in der Sonderausstellung „Für bare Münze?“ im Schlossmuseum Jever zu sehen sein (die berichtete). Dazu präsentiert das Museum Erkenntnisse zur Herkunft des Schatzes, über den auch heute noch viel spekuliert wird.

„Die mehr als 3000 Münzen waren Anfang des 3. Jahrhunderts nach Christi auf dem Geestrücken vergraben worden, auf dem sich heute das Stadtgebiet von Jever befindet“, schreibt Frank Reiche in einem Beitrags fürs Schlossmuseum: Es sei ein Rätsel, zu welchem Zweck der Besitzer die Münzen hortete und warum er sie vergrub. „Ganz gewiss hatte der Eigentümer nicht nur den Wert der Münzen im Blick“, so Reiche. Die Münzen seien kaum benutzt worden. Gezielt habe der Besitzer Exemplare mit einem gut erhaltenen Münzbild aus dem Geldumlauf entnommen und zurückgelegt. „Wer auch immer die Münzen in Römischer Zeit ansammelte, er tat das offenbar unter anderem, weil ihm ihre kunstvolle Gestaltung gefiel“, so Reiche.

In alle Winde zerstreut

Der „Münzschatz“ wurde kurz nach seinem Auffinden in alle Winde zerstreut, weiß Professor Dr. Antje Sander, Leiterin des Schlossmuseums. Die Arbeiter, die den Schatz fanden, bedienten sich großzügig und verkauften die Münzen weiter. Viele Münzen wurden auch eingeschmolzen. „So waren die Münzen aus Jever bald in der ganzen Welt verteilt oder für immer verloren“, sagt sie.

Pastor Julius Christian August Bruno Gramberg (1875 bis 1934) aus Zetel und dem damaligen Herzog von Oldenburg ist es laut Sander zu verdanken, dass der Schatz heute in Teilen wieder erhalten ist, denn sie begannen später mit dem Rückkauf der Münzen.

So stammen die Münzen in der geplanten Sonderausstellung auch aus dem Nachlass von Pastor Bruno Gramberg.

Grambergs Vater Friedrich August Gramberg war ebenfalls Theologe und als Pastor in Jever tätig, berichtet Pastor Reinhold Carels. Der 81-Jährige sitzt in seinem Arbeitszimmer in seinem Haus in Jever, an den Wänden stehen hohe Regale voller Bücher, vor ihm hat er Teile des Nachlasses von Pastor Bruno Gramberg ausgebreitet. Darunter Grambergs Heirats- und Todesurkunde, handgeschriebene Predigten, Fotos von Gramberg und seiner Frau sowie von Grambergs Patenonkel, dem damals berühmten Maler Bruno Pigl­hein.

Pastor Carels kennt sich sehr gut aus mit dem Leben und Werk von Pastor Bruno Gramberg. Er hat viele Jahre lang den Nachlass erforscht und hörte in der Gemeinde Zetel, in der er selbst 30 Jahre als Pastor wirkte, oft Geschichten über Pastor Gramberg: „In meiner damaligen Gemeinde Zetel war Bruno Gramberg eine geschätzte Persönlichkeit. Bei vielen Gesprächen fiel sein Name. Oft erzählten die Menschen mit einem Lächeln und mit Anerkennung Anekdoten aus seinem Leben“, so Carels.

So habe Pastor Gramberg einigen älteren Gemeindemitgliedern gegenüber einmal geäußert, dass er auch gerne Museumsdirektor geworden wäre. In seiner Zeit in Zetel (1906 bis 1934) begann er wohl auch damit, Münzen zu sammeln, berichtet Carels. Er sei auf vielen Auktionen gewesen und habe dort Münzen aus Jever gekauft. „Er besaß wohl die berühmteste Sammlung von Marienthalern“, so Carels.

Erbvertrag mit Stadt

Pastor Gramberg schloss am 28. Januar 1925 mit der Stadt Jever und dem damaligen Bürgermeister Dr. Müller einen sogenannten Erbvertrag. „Darin wurde geregelt, dass die Stadt Jever Vermächtnisnehmerin der Münzsammlung sein sollte“, so Reinhold Carels.

In dem Vertrag sei der Katalogwert der Sammlung – damals rund 15 000 Mark – festgelegt worden. Pastor Gramberg verpflichtete sich, die Sammlung zu Lebzeiten nicht zu veräußern. Als Gegenleistung sollte die Stadt Jever auf Antrag das in der Münzsammlung nach Maßgabe des Katalogwertes angelegte Kapital „zum Zinsfuße von fünf Prozent jährlich“ verzinsen, erklärt Carels.

Pastor Gramberg legte weiterhin fest, dass ihm die Stadt die Zinsen zum jeweiligen Monatsersten auszahlen müsse, wenn er es verlange.

Nach dem Tod von Pastor Gramberg sollte die Münzsammlung dann der Stadt Jever vermacht werden. Die Zinsen von fünf Prozent jährlich sollte die Stadt bei Bedarf an seine Frau Maria Elisabeth Gramberg auszahlen, wenn sie das Geld nicht wolle, so sollte das Geld dem städtischen Museum gespendet werden, um die Sammlung zu erweitern.

Nachdem Pastor Bruno Gramberg am 4. September 1934 während eines Urlaubs in Wilhelmshaven gestorben war, dauerte es nur wenige Monate, bis seine Münzsammlung im November 1934 im Audienzsaal des jeverschen Schlosses das erste Mal ausgestellt wurde.

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