Jever - „Das macht gut Krach!“: Wenn die Haferquetsche im Leerlauf brummt, ist kaum zu verstehen, was Siegfried Wendel erklärt. Doch das Klappern, Rumpeln und Brummen der Maschinen ist Musik in den Ohren der Schlachtmüller: Denn je mehr Krach im Galerieholländer am Hooksweg zu hören ist, desto mehr alte Technik läuft wieder.

Und in diesem Jahr sind die Ehrenamtlichen im Arbeitskreis Schlachtmühle des jeverländischen Altertums- und Heimatvereins einen gewaltigen Schritt nach vorn gekommen: Der 100 Jahre alte Walzenstuhl – läuft. Die Haferquetsche – läuft; die Aspiration – läuft; die Trieure – läuft; und der Peldegang – läuft auch wieder wie geschmiert.

Damit können die Müller nun den gesamten Prozess der Vorreinigung von Getreide bis zu den verschiedenen Mahlgängen vorführen. Die Aspiration oder Windfege dient dazu, Staub und Halme aus dem Getreide zu blasen. „Das ist Jevers größter Staubsauger“, sagt Holger Krahe. Das vorgereinigte Getreide fällt dann durch Schüttelsiebe, in denen etwa Steinchen aussortiert werden.

Verstärkung gesucht

Die Arbeitsgruppe Schlachtmühle im jeverländischen Altertums- und Heimatverein sucht Verstärkung: Zum einen wünscht sich die Arbeitsgruppe Unterstützung bei Instandsetzung, Pflege und Warten des Galerieholländers und aller Maschinen. Jeden Donnerstagvormittag wird gearbeitet. Zur Betreuung der Öffnungszeiten und für Führungen werden ebenfalls Ehrenamtliche gesucht: Nach einer Schulung können Interessierte im Sommer ein- bis zweimal im Monat für drei Stunden die Mühle öffnen. Für die Mühlenfeste werden Helfer gesucht für die Kinderaktionen und für Kaffee/Kuchen-Angebot.

Interessierte können sich bei Edzard de Buhr, Tel. 04463/4212, oder Holger Krahe, Tel. 04461/ 89 22 38, melden. Am Sonntag, 17. Dezember, 11 bis 17 Uhr, betreuen die Schlachtmüller auch einen Infostand beim Tag der offenen Tür im Schlossmuseum.

Bereits an diesem Freitag, 15. Dezember, öffnet die Mühle um 17 Uhr für Besichtigungen. Um 18.30 Uhr beginnt dann der Lebendige Adventskalender mit einer Andacht mit Liedern und Geschichten. Danach gibt es Punsch, Schmalzbrot und Rosinenstuten.

Die Trieure ist eine Sortiermaschine: Sie kann etwa Hafer- und Weizenkörner voneinander trennen, sortiert Bruchkorn und unerwünschte Samenkörner aus.

„Die Vorreinigung des Getreides ist ein wichtiger Schritt – nicht nur, damit nichts Unerwünschtes im Mehl landet, sondern auch, damit keine Fremdkörper die Mahlgänge stören“, erklärt Edzard de Buhr.

Der Walzenstuhl ist eine motorbetriebene Industriemühle, der mit Einsetzen der Industrialisierung die Mahlsteine ersetzte. Gerade hatten die Müller ihn komplett restauriert – „der war nur noch Schrott“ – da brannte der Motor durch. Doch auch den konnten die Müller reparieren und er brummt wieder fröhlich vor sich hin.

Grobes Mehl wird in der Schlagmaschine weiterbehandelt: Darin sind feinste Siebtücher, am Ende kommt weißes, weiches Mehl heraus – je nach gewählter Siebgröße.

Und wer glaubt, dass die Müller die Getreide- oder Mehlsäcke auf dem Rücken treppauf, treppab durch die Mühle schleppen, der sollte sich den Elevator genau anschauen: Das Becherwerk läuft über sämtliche Stockwerke, transportiert Getreide in die Vorreinigung und Schrot und Mehl durch Holzschächte, die über Klappen und Steckschieber gesteuert werden, zu den verschiedenen Mahlgängen.

Zum Schrot, Mehl und den Haferflocken, die die Mühle produziert, kommen nun auch Graupen: „Bei Windstärke 7 bis 8 können wir den Peldegang in Betrieb nehmen“, sagt Siegfried Wendel. Eine Hammermühle, in der Getreide durch Stahlscheiben zu Viehfutter zerhämmert wird, wartet noch auf Instandsetzung. Genauso die Spitzenschälmaschine: Sie bricht den ölhaltigen Keimling aus dem Getreidekorn, damit das Mehl nicht ranzig wird. Ach ja, eine Absackwaage gilt es auch noch zu restaurieren: Sie füllt Säcke automatisch mit 25 oder 50 Kilogramm Mahlgut – je nach Einstellung.

Jeden Donnerstag ist die Arbeitsgruppe der Schlachtmühle zugange. Gut 1000 Stunden im Jahr. Zu tun gibt es noch eine Menge – und deshalb wünschen sich die ehrenamtlichen Müller Verstärkung.