Jever - Es war schon etwas irritierend, als der Pianist die Besucher erst einmal aufforderte, aufzustehen und sich mit ein paar Übungen warm zu machen – damit sie die nächste Arie mitsingen könnten. Und als wäre das nicht schon genug, platzte auch noch eine Putzfrau mit Strickjacke und Wischmopp herein. Und das brachte den ein oder anderen Besucher vollkommen durcheinander.
Schließlich waren sie doch gekommen, um das inzwischen zehnte Wandelkonzert im jeverschen Schloss zu genießen. Doch zum Glück flogen die Reinigungsutensilien flogen dann schnell in die Ecke und die vermeintliche Putzfrau (Alexandra Scherrmann) setzte mit ihren beiden Kollegen (Felix Pätzold und Tomasz Wija) einen ersten Höhepunkt des Wandelkonzerts. Zu Recht trug der den Titel „Opernrausch“.
Das war nur eines von mehreren Konzerten im Schloss. Denn der Witz des Wandelkonzerts: in verschiedenen Räumen des Schlosses werden verschiedene Konzerte präsentiert.
Mit Jauchzen und Klagen ging es gleich weiter. Ohne Klezmer-Musik wäre das Wandelkonzert nicht komplett. Gleich eine Weltpremiere legten die Klezmeyers aufs Parkett. Erstmals spielten sie öffentlich Stücke aus ihrer am gleichen Tag erschienenen CD und begeisterten mit ihrer Musik, die immer irgendwo zwischen Fröhlichkeit und Verzweiflung pendelt.
Geradezu meditative Stimmung erzeugte das Angelicus-Ensemble in dem einmaligen Ambiente des Kanonenkellers, der extra dafür geöffnet worden war. Kirchliche Musik aus Osteuropa hatte das Ensemble dabei, teilweise Lieder, die mehr als tausend Jahre alt sind.
Und wenn man anschließend durch die schmalen Gänge und Treppen nach dem üblichen Gedränge zwischen den Konzerten im Café landet, ist das schon eine Reise in ein anderes musikalisches Universum: Mit Pettycoat, gepunkteten Kleidchen und ganz viel Witz lieferten Sweet Sugar Swing einen Streifzug durch Swing, Rockabilly und Boogie Woogie.
Danach war man genügend abgehärtet, um sich von der Hornistin Yvonne Sextroh das Alphorn vorführen zu lassen. Es ist dem Horn sehr ähnlich, nur nicht gebogen und damit 3,6 Meter lang. Und auch der Klang ist etwas mächtiger.
Zehn Jahre gibt es das Wandelkonzert jetzt und es hat sich längst als kultureller Glanzpunkt etabliert. Ähnlich wie die „Last Night of the Proms“ in London hat Friesland hier auch ein Konzert, auf das man sich das ganze Jahr freuen kann.
