JEVER - Eigentlich hatte Jever nie etwas mit Preußen zu tun, betonte Christel Ney in ihrer Begrüßung zum zweiten Schlosskonzert im Audienzsaal zu Jever. Das „Schaffrath- Trio plus“, das dieses Konzert gestaltete, stellte die Verbindung nun aber her: Unter dem Motto „Begegnung in Sanssouci“ spielte das Ensemble Musik aus der Zeit Friedrichs des Großen von Preußen (1712 bis 1786), der selbst begeisterter Musiker und als Schüler von Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) ein hervorragender Flötist war.
Viele zeitgenössische Musiker und Komponisten waren seinerzeit zu Gast auf Schloss Sanssouci in Potsdam und so könnte das Zusammentreffen von Christoph Schaffrath (1709 bis 1763), Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767), Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788), dessen Vater Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) und Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) tatsächlich stattgefunden haben.
Informationen zur Musik
Die Vorstellung ist reizvoll und das „Schaffrath-Trio plus“ – bestehend aus den Künstlerinnen Beate Bareis (Flöte), Silke Link (Violine), Ulrike Tiedemann (Cello) und Suzana Mendes (Cembalo) – hatte das Konzertprogramm vor diesem Hintergrund zusammen gestellt. Wer denkt dabei nicht an das Bild „Flötenkonzert in Sanssouci“ von Alfred Menzel.
Silke Link gab zu den einzelnen Komponisten Hintergrundinformationen zu ihrem Leben und Werk, was den Abend lebendig werden ließ.
Das Schaffrath-Trio „plus“ spielte zunächst eine Georg Friedrich Händel zugeschriebene Sonate e-moll, die ein sehr guter Auftakt war.
Das zweite Werk im Programm war die Triosonate h-moll von Carl Philipp Emanuel Bach. Es ist eine für die damalige Zeit schon moderne und in die Zukunft weisende Komposition. Dieser Sohn Johann Sebastians Bach war viele Jahre Cembalist bei Hofe, seine Musik aber war bei Friedrich dem Großen nicht sehr beliebt.
Es folgte ein Trio in D-Dur von Christoph Schaffrath, dem Namensgeber des Trios; beim Musizieren wurde deutlich, dass sich die Künstlerinnen bei diesem Komponisten wohlfühlen.
Bach und Telemann
Nach der Pause folgte von Georg Philipp Telemann das Pariser Quartett „Concerto secondo“ D-Dur, bei dem das Cello nicht nur Continuo spielt, sondern eine eigene Stimme hat und so an das Zusammenmusizieren noch größere Anforderungen stellt.
Dasselbe gilt für die Trio-Sonate G-Dur BWV 1039 von Johann Sebastian Bach, bei der die einzelnen Instrumente sehr ausgewogen sein müssen, um die Großartigkeit dieser Komposition so recht zutage zu fördern.
Leider bestand ein gewisses Ungleichgewicht vor allem zwischen Flöte und Violine, was das harmonische Miteinander zuweilen störte. Man hatte den Eindruck, dass die Musikerinnen, die erst seit dem Jahr 2007 zusammen spielen, verschiedene Interpretationsansätze hatten und daher in gewisser Weise divergierten.
Als Zugabe bekamen die zahlreich erschienenen Zuhörer im Audienzsaal des Schlosses ein Allegro aus einer Sonate in h-moll von Christoph Schaffrath zu hören. Dies wurde fröhlich und einvernehmlich musiziert und bildete einen sehr schönen Abschluss des Abends.
