JEVER - Es wird viel gestorben in der Schüler-Produktion: Der Tod ist Raucher, Vergewaltiger und Philosoph.

Von melanie Hanz

JEVER - „Du wirst nie wieder so schön sterben können, wie Du diese Nacht gestorben wärst!“ Ein geheimnisvoller Mann im dunklen Mantel schleicht um die Bushaltestelle. Er ist ein Raucher, ein Vergewaltiger – und er ist ein Philosoph: der Tod, wie ihn die Theater-AG des Mariengymnasiums im Stück „Haltestelle.Geister“ von Hartmut Krausser auf die Bühne bringt.

Die Schule hat mit diesem Stück das klassische Repertoire von Schülertheater weit hinter sich gelassen. Trotz des provozierenden Inhalts wirkte die Inszenierung in der Schu- le aber nicht fehl am Platze.

Es wird viel gestorben: Der Tod holt sich acht von 15 Charakteren. An der Bushaltestelle sind sie aufeinander getroffen, zuerst als Lebende, die flirten, philosophieren, rauchen und sich vulgär beschimpfen, sich verlieben, bestehlen und mit Drogen volldröhnen. Da sind die drei Tussen (Verena Gerjets, Hannah Schroeder-Lanz und Lea-Katharina Folkerts), für die nur ihr Spaß zählt, der Alte (Tobias Prehn), der von ihnen ausgeraubt wird und sich mit Selbsttötungs-Absichten trägt, der Mann aus der Oper und seine Frau (Felix Worpenberg und Esther Tenberg), deren sexuelle Fantasien in Mordgelüsten gipfeln, der Mann vom Grillimbiss (Birte Habben), der „Großinquisitor“ (Niels von Kampen) und die „Prinzessin“ (Inse Wiemers) und der zynische Kleindealer Rico (Jonas Schlagowsky). Und mittendrin sind Prinzessin Tallulah (Frauke Becker), gefangen in der Sehnsucht nach ihrem Heimatstern, und das alte Paar (Carolin Bastisch und Marieke Neugebauer), die sich verloren haben und nicht wiederfinden

können.

Sex, Drogen und Gewalt beherrschen das Leben dieser Typen – Liebe, Verständnis oder gar Achtung voreinander können sie nicht empfinden. „Es ist traurig, dieser Planet macht mich immer so traurig“, stellt die Prinzessin Tallulah an einer Stelle fest.

Nach und nach versammeln sich die Charaktere dann als Geister um die Haltestelle, versuchen, mit den Lebenden in Kontakt zu treten. Doch das ist zum Scheitern verurteilt, denn ihr Medium, der Tütenpenner, – kongenial verkörpert von Mona Struckmann – kann die Stimmen in seinem Kopf nur ungenau deuten. Auch er muss sterben, wird erschlagen wegen eines Glückspfennigs – die Verbindung reißt ab.

„Haltestelle.Geister“ ist kein Stück, das erhebt – im Gegenteil: die Halbwelt, in der die irren Typen aufeinandertreffen, erschreckt und schockiert. Dabei hatte Regisseur Jens Manowsky die brutalsten und drastischsten Szenen gestrichen.

Dennoch hatte das Publikum bei der frischen und temporeichen Produktion eine Menge zu lachen – zu skurril manche Situationen und zu liebevoll aufgeschminkt die tödlichen Verletzungen der Charaktere.

Noch vier Mal, nämlich heute, am Freitag und Sonnabend, 16. und 17. März, und am Dienstag, 20. März, ist „Haltestelle.Geister“ jeweils um 19.30 Uhr in der Aula des Mariengymnasiums zu sehen.

Heute findet eine weitere Vorstellung statt